ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1996Alternative Techniken II: Mobilität mit „gutem Gewissen“

VARIA: Auto und Verkehr

Alternative Techniken II: Mobilität mit „gutem Gewissen“

Hecker, Guido

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LNSLNS In Heft 39 haben wir mit den Elsbett-Motoren auf Pflanzenölbasis und den vielstoffähigen MOTOS-
Maschinen zwei alternative Techniken für den Straßenverkehr vorgestellt. Diesmal geht es um ein weiteres Nischenprodukt: halb Auto, halb Fahrrad. Auf diese Kombination setzt ein neues Fahrzeugkonzept eines Lindauer Unternehmens. Carbike soll seine Stärken vor allem in den Innenstädten ausspielen – als Baustein in einem künftigen Umweltverbund.


Muskelkraft und Elektroantrieb: Darauf setzen die Entwickler des Carbike; wie der Name schon sagt, eine Mischung aus Auto und Fahrrad. Einem Fiat Panda nicht unähnlich, bietet der Zwerg (2,30 Meter Länge, 1,25 Meter Breite und 1,50 Meter Höhe) Platz für zwei Personen, hat einen 600 Liter großen Kofferraum, zwei zusätzliche Kindersitze und ist mit wenigen Handgriffen in ein Cabrio zu verwandeln. Das Carbike der gleichnamigen Herstellerfirma aus Lindau wird hauptsächlich über spezielle Antriebspedale fortbewegt, es hat aber dazu noch einen Elektromotor. Der springt zum Beispiel dann ein, wenn Steigungen nahen oder der Radler einmal aus der Puste kommen sollte. Hilfreich ist der Elektromotor ferner, wenn es um höhere Geschwindigkeiten gehen sollte. Bei 30 km/h ist allerdings Schluß, aus Sicherheitsgründen. Die Batterien, über Solarpaneele im Dach oder übers normale Stromnetz beim Parken gespeist, ermöglichen jedoch eine nur sehr begrenzte Reichweite von rund 25 Kilometern. Dies verrät schon den eigentlichen Einsatzort des Carbikes: Innenstädte mit begrenztem Verkehrs- und Parkraum. Für alle Kurzstrecken und die damit verbundenen Aufgaben wie Kindertransport, Einkaufen oder Entsorgungsfahrten reicht das Fahrzeug nach Angaben der Hersteller völlig aus. Die Zuladung kann bis zu 220 Kilogramm betragen – ein Gewicht, das durch gemeinsamen Einsatz von Muskelkraft und Elektromotor problemlos bewältigt werden könne. Ein weiterer Vorteil des Carbike: Auf einen herkömmlichen Pkw-Parkplatz passen bis zu vier Carbikes, quer gestellt, versteht sich. Nicht zuletzt deshalb wurde das Konzept auch im Hinblick auf VerkehrsverbundLösungen weiterentwickelt. An Bahnhöfen oder auch Park & Ride-Parkplätzen könnten Carbike-Ports angelegt werden – eine umweltschonende Kombination aus Individual- und öffentlichem Personennahverkehr. Die Entwickler sagen selbst über ihr Konzept:
"Mobilität der Zukunft heißt bedarfsgerechte Nutzung verschiedener Verkehrssysteme und mehr Beweglichkeit im Kopf, denn der Traum vom omnipotenten Fahrzeug, das ohne negative Begleiterscheinungen alles kann, wird sich nie erfüllen lassen. Um als Baustein im Umweltverbund den Ausstieg aus der Verkehrsspirale zu fördern, muß ein Stadtfahrzeug in allen wichtigen Punkten Fortschritte bringen." Die Carbike-Konstrukteure verstehen darunter: "Es muß klein sein, leise, energieeffizient, abgasfrei und für eine stadtverträgliche Geschwindigkeit ausgelegt."
Das Carbike soll nach Angaben der Hersteller bei einer Kleinserie je nach Ausstattung ab 9 500 DM kosten. Später, wenn Großserien zu realisieren wären, soll das Fahrzeug für etwa 7 500 DM zu haben sein. Guido Hecker

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