ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Robert Koch-Institut: Masern - (K)eine Kinderkrankheit

AKTUELL: Akut

Robert Koch-Institut: Masern - (K)eine Kinderkrankheit

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): A-3081 / B-2617 / C-2425

EB

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LNSLNS Die Krankheit beginnt mit Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten, ehe sich ein grobfleckiger, dunkelroter Ausschlag über den ganzen Körper ausbreitet. Bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten kommt es zu Komplikationen, die in Einzelfällen auch zu Behinderung und Tod führen können. „Masern sind daher keine leicht zu nehmende Kinderkrankheit, und die Möglichkeit der Schutzimpfung sollte unbedingt genutzt werden“, betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Seit mit Beginn des Jahres gemäß dem neuen Infektionsschutzgesetz auch Verdacht und Erkrankung meldepflichtig sind, wurden dem Robert Koch-Institut bereits 5 093 Meldungen von Masernerkrankungen übermittelt, darunter ein Todesfall. Aufgrund der Meldedaten und auf Grundlage anderer Masernüberwachungsdaten der Arbeitsgemeinschaft (AG) Masern rechnet das Robert Koch-Institut mit 7 000 bis 10 000 Masernerkrankungen für dieses Jahr. Ursache der noch immer hohen Erkrankungszahlen in Deutschland ist eine unzureichende Nutzung der Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die erste Impfung nach dem vollendeten elften Lebensmonat und eine zweite Impfung zur Schließung von Immunitätslücken. Die STIKO empfiehlt seit kurzem, die zweite Impfung möglichst früh, das heißt noch im zweiten Lebensjahr, durchzuführen.

Gegenwärtig sind in Deutschland selbst zu Schulbeginn nur etwa 85 Prozent der Kinder gegen Masern geimpft, und die für alle Kinder empfohlene zweite Impfung haben sogar weniger als 15 Prozent erhalten. Auch bei den geimpften Kindern erfolgt die erste Masernimpfung oft nicht rechtzeitig. Die Eliminierung der Masern ist möglich, wenn Durchimpfungsraten von mehr als 95 Prozent erreicht werden. Daher wurde Ende 1999 ein nationales Programm zur Eliminierung der Masern in Deutschland verkündet. Die Auswertung der Erfassungsberichte aus dem Zeitraum Oktober 1999 bis März 2001 mit fast 1 300 Masernfällen hat gezeigt, dass unter den Ungeimpften der Anteil derjenigen, die eine Impfung nicht gewünscht hatten, mit 35 Prozent sehr hoch war.

Die Empfänglichkeit des Menschen – einziger Wirt des Masernvirus – ist hoch. Die Übertragung erfolgt über die Luft durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen). Das Masernvirus führt bereits bei kurzem Kontakt mit Erkrankten zu einer Infektion (der so genannte Kontagionsindex liegt bei nahezu 100 Prozent) und löst bei über 95 Prozent der Infizierten Symptome aus. Bei den hiesigen Impfraten kommt es daher häufig zu Ausbrüchen, mehr als 80 alleine dieses Jahr. EB
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