ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Niedergelassene Ärzte: Klares Votum gegen das Sachleistungsprinzip

POLITIK

Niedergelassene Ärzte: Klares Votum gegen das Sachleistungsprinzip

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): A-3087 / B-2621 / C-2429

Flintrop, Jens

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LNSLNS Der NAV-Virchow-Bund hat Vertragsärzte gefragt, was sie
von der Einführung des Kostenerstattungssystems halten.

Die Mehrheit der Vertragsärzte ist für die Einführung eines Kostenerstattungssystems. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest Dr. Klaus Gebuhr vom Berliner Büro des NAV-Virchow-Bundes. 6 135 niedergelassene Ärzte wurden gefragt, wie sie die Kostenerstattung als Option zur Verbesserung der ambulanten Versorgung bewerten. Nur 519 Ärzte haben die Fragen beantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 8,46 Prozent.
Diejenigen, die sich an der Untersuchung beteiligten, fordern nicht nur mehrheitlich die Einführung des Kostenerstattungssystems (76 Prozent), sondern sprechen sich auch für die generelle Ablösung des Sachleistungsprinzips aus (77 Prozent). Dies solle in Modellversuchen erprobt werden. Mit der Einführung eines Kostenerstattungssystems verbinden die Befürworter gute Chancen für die Entwicklung der eigenen Praxis und des Einkommens. Sie erwarten mehr Planungssicherheit, mehr Flexibilität und positive Impulse für die Qualitätssicherung. Eine Verschlechterung der Arzt-Patient-Beziehung oder die Gefährdung des Solidarprinzips befürchten sie nicht.
Auf die Frage, ob die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit Einführung eines Kostenerstattungssystems überflüssig werden, antworten immerhin 56 Prozent der Probanden – in den neuen Ländern sogar 66 Prozent – mit „ja“. Diese Quote relativiert sich bei genauerer Betrachtung: Erfahrungsgemäß beteiligen sich an freiwilligen Befragungen meist nur jene, die etwas verändern wollen. Zudem ist es zwangsläufig, dass sich mit Einführung eines Kostenerstattungssystems auch die Rolle der KVen ändern müsste. Gefragt wären dann eher Abrechnungszentralen denn Verhandlungsführer bei den Honorarvereinbarungen mit den Krankenkassen.
Zum Auftakt der Bundeshauptversammlung hatte der NAV-Virchow-Bund zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung eingeladen. Thema: „Rationierung – Recht – Ethik“. Der Bundesvorsitzende Dr. med. Maximilian Zollner hatte betont, dass dem Arzt die schwierigsten Entscheidungen im ethischen Bereich abverlangt würden. Da die Mittel im Gesundheitswesen begrenzt seien, stelle sich für den Arzt immer wieder die Frage, wie er diese Mittel verteile: Wer soll wie lange auf einer Intensivstation behandelt werden? Ist das Geld „besser angelegt“ beim jungen Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma, beim betagten Patient nach einem apoplektischen Insult oder beim „Frühchen“ mit einem Geburtsgewicht von 400 Gramm? Jens Flintrop
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