ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Rettungssanitäter: Überlegenheit unseres Systems aufgezeigt

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Rettungssanitäter: Überlegenheit unseres Systems aufgezeigt

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): A-3113 / B-2643 / C-2449

Baier, Birgit

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LNSLNS Leider scheint Herrn Meyer das Rettungswesen in Deutschland nicht geläufig zu sein, er spricht hier von Rettungssanitätern in einem Paramedic-System, die einen Patienten mit Status epilepticus behandeln. Hier wird das „Load and Go“-Prinzip der USA (System ohne Notarzt) mit dem „Stay and Play“-Prinzip von Deutschland (System mit Notarzt) verglichen.
Außerdem wird hier die medizinische Behandlung eines Patienten durch Rettungssanitäter beschrieben, obwohl in Deutschland in der Notfallrettung mindestens ein Rettungsassistent den Patienten zu betreuen hat, der auch höher qualifiziert ist als ein Rettungssanitäter.
In Deutschland führt die Diagnose „Status epilepticus“ unabdingbar zu einem Notarzt-Einsatz, und der Patient wird von einem Notarzt mit entsprechender Qualifikation und zwei qualifizierten Helfern, wobei mindestens einer über die Berufsbezeichnung „Rettungsassistent“ verfügt – und damit höher qualifiziert ist als ein Rettungssanitäter –, behandelt. Dem Patienten wird in Deutschland nicht zugemutet, nach 40 Minuten Zeitverlust (circa 10 Minuten Anfahrt plus 10 Minuten Versorgung plus 15 Minuten Fahrt in die Klinik, Auslade-Übergabe-Zeit 5 Minuten) erst die effektive krampfdurchbrechende Therapie zu erhalten. Die vorgezogene klinische Behandlung des Status epilepticus wird vom Notarzt mit Hilfe der Rettungsassistenten in der Wohnung des Patienten bis hin zur intravenösen Intubationsnarkose durchgeführt.
Sollte der Notarzt erst nach dem Rettungsassistenten eintreffen, wird der Assistent dem Patienten Sauerstoff geben, die Vitalwerte kontrollieren (Blutdruck, Pulsoxymetrie, EKG-Monitoring), einen intravenösen Zugang gelegt haben und das entsprechende Medikament bereits aufgezogen haben. Er kann nach Rücksprache mit dem anfahrenden Notarzt (über Funk) dann ebenfalls zum Beispiel Diazepam intravenös über die Venenverweilkanüle geben; sollte keine Verweilkanüle gesetzt werden können, kann er auch Diazepam als Rectiole geben. Falls der zuständige Notarzt nicht verfügbar ist, sucht eben ein anderer Notarzt (eventuell auch ein Rettungshubschrauber) den Patienten auf.
Ständigen Funkkontakt zum Aufnahmearzt in der Klinik gibt es in Deutschland nicht, stattdessen wird der Notarzt zum Notfallort gebracht, um den Zustand des Patienten mit klinischem Blick und mit allen seinen Sinnen direkt und ohne Umwege zu erfassen und die notwendige Therapie vor Ort durchzuführen beziehungsweise zu beginnen.
Die zitierte Studie mit Therapiebeginn vor Ort versus Therapiebeginn erst in der Klinik zeigt eher die Überlegenheit unseres Notarzt-Systems „Stay and Play“ gegenüber dem Paramedic-System mit der Devise „Load and Go“. Der Artikel von Herrn Meyer wird bei all denen, die nicht mit dem Rettungsdienst zu tun haben, erhebliche Verwirrung stiften.
Birgit Baier, Stadtmühlenfeld 7, 86609 Donauwörth
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