ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Transplantationen – Unerwähnt: Hornhauttransplantation
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LNSLNS Ihre informativen Beiträge über die Qualitätssicherung in der Transplantationsmedizin verdienen allgemeine Beachtung. Leider wird die Hornhauttransplantation in Ihren Artikeln wiederum mit keinem Wort erwähnt. Möglicherweise ist Ihnen entgangen, dass es sich hierbei um die älteste (1905 Zirm) und am häufigsten durchgeführte Transplantation weltweit handelt. Entsprechend einer Erhebung, die wir seit Jahren im Auftrag der Vereinigung Ophthalmologischer Lehrstuhlinhaber (VOL) durchführen („Deutsches Keratoplastik Register“), erfolgten im Jahr 2000 in Deutschland 4 650 Hornhauttransplantationen und damit mehr als alle anderen Transplantationen zusammen (etwa 3 900). Der Bedarf an Hornhautspendergewebe dürfte in Anbetracht der langen Wartelisten in allen deutschen Kliniken mit Kornea-Spezifikation bei 5 000 bis 6 000 pro Jahr liegen. Allein in Erlangen führen wir pro Jahr etwa 300 Keratoplastiken durch und haben dennoch seit Jahren eine Warteliste von mehr als 100 Patienten. Die Tatsache, dass die Hornhauttransplantation in Beiträgen zur Transplantationsmedizin im DÄ regelmäßig vergessen (?) wird, stellt nicht nur ein ärgerliches Versäumnis dar, sondern verstärkt die Fokussierung auf die Transplantation der großen Organe. Die Gewinnung von transplantierbarem Hornhautgewebe wird dadurch in der täglichen klinischen Praxis behindert und erschwert. Besonders betont werden muss in diesem Zusammenhang die grundlegende Besonderheit der Kornea-Spende: Prinzipiell besteht keine Altersbegrenzung, und die Gewebe können noch mindestens 48 Stunden nach dem Herz-Kreislauf-Tod entnommen werden. Die so genannte „Hirntod-Problematik“ spielt also hier keine Rolle!
Priv.-Doz. Dr. med. B. Seitz, Prof. Dr. med. Dr. h. c. G. O. H. Naumann, Universitäts-Augenklinik, Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen
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