ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Gesundheitswesen: Sachverstand vermisst
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LNSLNS Unser Gesundheitswesen ist eingebaut in die Volkswirtschaft, deren Ertrag wird gezählt als Bruttoinlandsprodukt (BIP), das ist die Summe aller Einkünfte. Die Lohnsumme ist mittlerweile auf circa 60 % des BIP abgesunken, circa 40 % sind Kapitalertrag, angewachsen auf über 950 Milliarden DM pro Jahr. Nicht anders ist zu erklären, dass alle (!) Gesundheitsleistungen zusammen nach Auskunft der OECD für Deutschland mit nur 10,5 % des BIP bezahlt sind, aber allein die Krankenkasse bis zu 14 % vom Bruttolohn haben will; Kapitalerträge verursachen steigende Preise, wenn sie schneller wachsen als die reale Wirtschaft. Dies gilt auch für die Solidarkassen, die das Gesundheitswesen bezahlen. Hier Kapitaldruck für dessen Ausgaben und dort sinkende Lohnsumme für die Einnahmen ist in sich schon korrupt, erst recht, weil für die Kapitaleigner Umgekehrtes gilt. Dieser Widerspruch zieht sich betriebswirtschaftlich durch Krankenhaus, Altenheim und Arztpraxis. Es ist schlicht unmöglich für soziale Subsysteme, sich gesamtwirtschaftlich korrekt und sozial förderlich über Wasser zu halten mit automatisch steigendem Soll und fallendem Haben. Das Gesundheitswesen ist eingebettet in unser Geldsystem. Letzteres ist in sich mafios, weil es Reiche ohne Arbeit reicher macht und die Arbeit – vor allem im sozialen Bereich – bis hin zu Arbeitslosigkeit entwertet, dann aber die sozialen Folgekosten der sinkenden Lohnsumme entnimmt. Ob Transparency International dies berücksichtigt? Wir alle entwickeln uns mit diesem (korrupten) System, in dem wir wirtschaftlich zu (über)leben suchen, auch ich, deshalb die Bitte: keine isolierte Betrachtung des Gesundheitswesens, denn Korruption und betrügerisches Verhalten ist in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Der Zwang dazu ist systemimmanent, weil Sozialpolitik seit langem volkswirtschaftlichen Sachverstand vermissen lässt.
Dr. med. Dieter Petschow,
Am Kielenkamp 35, 30855 Langenhagen

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