ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001Nasale Besiedlung als Quelle der Staphylococcus-aureus-Bakteriämie

MEDIZIN: Referiert

Nasale Besiedlung als Quelle der Staphylococcus-aureus-Bakteriämie

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): A-3138 / B-2660 / C-2466

Eiff, Christof von

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LNSLNS Staphylococcus aureus zählt zu den häufigsten bakteriellen Erregern von endemischen und epidemischen Infektionen im Krankenhaus. Infektionen durch diesen Erreger, der bei bis zu 80 Prozent der gesunden Bevölkerung zumindest intermittierend in der Nase nachweisbar ist, zeichnen sich durch eine hohe Morbidität und Letalität aus.
In einer multizentrischen Studie wurden unmittelbar nach dem Nachweis von S. aureus aus dem Blut Nasenabstriche entnommen. Bei Nachweis von S. aureus auch aus der Nase wurden die Bakterienisolate molekular typisiert und, falls vorhanden, zusätzlich auch mit den S.-aureus-Stämmen, die vom vermuteten klinischen Fokus der Infektion kultiviert wurden, verglichen. Insgesamt wurden 723 S-aureus-Isolate von 219 Patienten mit einer S.-aureus-Bakteriämie in die Studie einbezogen und mithilfe der Pulsfeld-Gelelektrophorese genotypisiert. Eine Analyse der Ergebnisse zeigte, dass bei 180 dieser 219 Patienten (82,2 Prozent, 95 Prozent-Konfidenzintervall: 76,4–87,1 Prozent) die Isolate aus dem Blut klonal identisch mit denen aus den Nasenabstrichen waren. Darüber hinaus waren die Blutkultur-Isolate auch zu 94,3 Prozent identisch mit den Isolaten, die vom vermuteten Fokus der Infektion kultiviert wurden.
In einem zweiten, monozentrischen Studienansatz wurden S.-aureus-Isolate aus Nasenabstrichen über einen Zeitraum von fünf Jahren gesammelt. Diese wurden mit Blutkultur-Isolaten von Patienten verglichen, die zu einem späteren Zeitpunkt eine Bakteriämie mit
S. aureus entwickelten. Bei 14 von insgesamt 1 278 Patienten, die mit S. aureus nasal besiedelt waren, wurde im Folgezeitraum (bis zu 60 Wochen nach nachgewiesener nasaler Besiedlung) eine Bakteriämie mit S. aureus festgestellt, wobei bei zwölf von diesen Patienten (85,7 Prozent, 95 Prozent-Konfidenzintervall: 57,1–98,2 Prozent) ein klonal identischer Stamm zunächst vom Nasenabstrich, später aus der Blutkultur nachgewiesen werden konnte. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse beider Studienansätze lässt sich ableiten, dass ein substanzieller Anteil der S.-aureus-Bakteriämien endogenen Ursprungs zu sein scheint. Diese Ergebnisse stützen Strategien zur Verminderung nachfolgender systemischer Infektionen durch Eliminierung der nasalen Kolonisation mit S. aureus. Inbesondere Interventionsstudien sind nun erforderlich, um geeignete Präventionsstrategien auszuarbeiteten und umzusetzen. eif

von Eiff C et al.: Nasal carriage as a source of Staphylococcus aureus bacteremia. N Engl J Med 2001; 344: 11–16.

Priv.-Doz. Dr. Christof von Eiff, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Domagkstraße 10, 48149 Münster, E.-Mai: eiffc@uni-muenster.de

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