ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2001MEDICA 2001: Digitalisierung schreitet weiter voran

VARIA: Technik

MEDICA 2001: Digitalisierung schreitet weiter voran

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): A-3147 / B-2667 / C-2474

Marx, Catrin

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Verbesserte Kommunikationstechnologien sollen den Arbeitsalltag erleichtern.


Die 33. Medica, Forum für Arztpraxis und Krankenhaus mit Kongress, beginnt am 21. November in Düsseldorf. Mit 113 000 m² angemeldeter Fläche ist das Ergebnis der Medica 2000 überschritten. Gerechnet wird mit insgesamt rund 3 500 Ausstellern und mehr als 120 000 Besuchern. Die Medica 2001 wird in den 17 Hallen des Düsseldorfer Messegeländes das Themenspektrum der ambulanten und stationären Versorgung präsentieren. Die thematischen Schwerpunkte sind: Elektromedizin/Medizintechnik, Labortechnik/Diagnostica, Arzneimittel, Physiotherapie/Orthopädietechnik, Bedarfs- und Verbrauchsartikel, Informations- und Kommunikationstechnik, Textilien, medizinisches Mobiliar, Raumeinrichtung und Facility Management.
Sonderschauen wie beispielsweise die Medica Media als Kommunikationsplattform für Telemedizin oder das Physiotherapieforum sowie Kontaktbörsen und Informationszentren werden das Angebot erweitern.
Informations- und Kommunikationstechnologien
Die Medica Media ist auf 700 m2 Ausstellungsfläche angewachsen.
Die Medica Media ist auf 700 m2 Ausstellungsfläche angewachsen.
Seit drei Jahren ist die Medica Media (einst Start als „Medienstraße“) fester Bestandteil der Medica und wird in diesem Jahr auf über 700 m² den Besuchern und Teilnehmern Informationen zur Gesundheitstelematik bieten und den Erfahrungsaustausch zwischen Experten fördern. Rund 40 Forschungseinrichtungen werden aktuelle Entwicklungen und Projekte präsentieren. Die Beteiligung von Hochschulen und außeruniversitären Instituten, unter anderem aus Slowenien, Schweden, Norwegen und Großbritannien, ermöglicht dabei zudem den Vergleich mit der wissenschaftlichen Arbeit in anderen Ländern Europas. Der Trend geht zu digitalen Aufnahme-, Speicher- und Kommunikationsverfahren in Bild und Ton. Nachdem die digital arbeitenden Computer- und Kernspintomographen bereits weit verbreitet sind und auch die Digitalisierung des normalen Röntgens sowie der Mammographie voranschreitet, geht es derzeit um die Wege zur Anlage einer komplett digitalen Patientenakte und die Implementierung der nun digitalisiert vorliegenden Diagnosedaten in die Praxis- und Klinikinformationssysteme. Ziel dabei ist: detailliertere Befunde, Verbesserung der Kommunikationsabläufe, einfache Langzeitarchivierung, besserer Zugriff auf Patienteninformationen.
Gerechnet wird auf der Medica mit 120 000 Besuchern. Fotos: Messe Düsseldorf
Gerechnet wird auf der Medica mit 120 000 Besuchern. Fotos: Messe Düsseldorf
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3-D-Visualisierung
Ein weiteres Thema wird die 3-D-Visualisierung des menschlichen Körpers sein. Die Firma interactive Systems (iAS), Marburg und Berlin, hat anhand von Medizin- und Anatomie-Atlanten sowie von wissenschaftlichen Zeichnungen einzelne anatomische Strukturen am Computer bis ins Detail modelliert. „Jeder Muskel, jede Arterie wird nachgebaut. Das ist im Prinzip wie bei einem Künstler, der eine Skulptur gestaltet“, berichtet Christian Wernicke, Leiter der
3-D-Abteilung von iAS. Die Programmentwickler gehen dabei von einem groben Drahtgitter-Modell aus und nähern sich der Realität durch immer kleiner werdende geometrische Figuren, die das Drahtgitter-Modell ausfüllen, immer weiter an.
Die räumliche Vorstellung von den Modellen entsteht am Computer-Monitor dadurch, dass die anatomischen Strukturen von allen Seiten angeschaut werden können. Für den Betrachter scheint es so, als ob das Objekt, das er sich gerade anschaut, frei drehbar wäre. Dahinter steckt eine Art Filmtechnik. Abgesehen von dem kompletten Modell des Körpers, sorgt die Software für eine virtuelle Beleuchtung und für virtuelle Kameras, die das Modell von allen Seiten aufnehmen. Wie bei einem Film sieht der Betrachter die Oberflächenstrukturen des Objekts an sich vorbeigleiten, wenn er es dreht. Für Lehrende an Universitäten arbeitet iAS gemeinsam mit dem Unternehmen 3B Scientific aus Hamburg an einem innovativen Konzept für das Lehren und Lernen der Morphologie des menschlichen Zentralnervensystems.
Standardvorlesungen werden auf DVD bereitgestellt und können als Vorlagen für die Erstellung eigener, individueller Vorlesungen und Kurse verwendet werden. Zusätzlich können die Lehrkräfte eigene Materialien (zum Beispiel Videos, Bilder, Texte) einbinden. Diese Vorlesungen können dann in einem zentralen Archiv gespeichert und von den Studenten durchgearbeitet werden, sodass sie auf das Bildmaterial aus den Vorlesungen zurückgreifen können. Auf der
Medica wird iAS die neue Software mit dem Namen Neurosuite vorstellen.
Workshop und Foren
Im Rahmen des Anwenderforums werden aktuelle Einsatzmöglichkeiten medizinischer Informationssysteme und der Telemedizin auf einer Videowand präsentiert. Themen werden unter anderem sein die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Diagnostik, der Bildverarbeitung und des Internets in der Medizin sowie die computerbasierte Navigation und Robotik.
Im Workshop-Programm wird in diesem Jahr über neue Ergebnisse aus Einführung und Umsetzung innovativer telematischer Entwicklungen informiert. Themen sind zum Beispiel die medizinischen Anforderungen der „elektronischen Patientenakte“, Perspektiven und Anwendungen von „e-Health“ oder auch die Sicherheit von Patientendaten sowie Patienteninformationssysteme.
Ein Telekommunikationsunternehmen in Düsseldorf betreibt zusammen mit einem Unternehmen für medizinische Software- und Systemarchitektur seit kurzem ein Kommunikationsnetzwerk. Per Glasfaser angeschlossen sind daran drei Krankenhäuser und fünf radiologische Praxen. Kommuniziert wird ortsübergreifend web-basiert per Medical Mail mit Röntgenaufnahmen, Blutgruppeninformationen, Labordaten, Impfungen oder Operationsdokumentationen.
Gleichzeitig stattfindende Veranstaltung
Der 21. Weltkongress für klinische Pathologie und Laboratoriumsmedizin wird die Medica (in der Stadthalle) begleiten. Während des Kongresses werden Themen moderner Laboratoriumsdiagnostik in Plenarvorträgen, Symposien, Workshops und Postersitzungen behandelt. Zum Beispiel:
- Renaissance alter und neuer Epidemien als Konsequenz menschlichen Verhaltens
- Therapeutisches Arzneimittel-Monitoring und klinische Toxikologie
- Mikrochips und Mikroarrays in der Laboratoriumsdiagnostik
- Krankheitsvorhersage mithilfe der Durchflusszytometrie
- Tumormarker, Molekulare Pathologie und Morphologie – Konsens oder Divergenz?
- Standardisierung in spezialisierten Laboratorien
- Point of Care Testing (POCT) und seine Integration in die Organisation eines Zentrallabors
- Standardisierung von HbA1c-Methoden, der Gebrauch moderner Medien und die Qualitätssicherung in der Versorgung von Diabetikern.
Trends in der Medizintechnik
Von besonderem Interesse sind neuartige, computerbasierte Operationssysteme, die vorgestellt werden. Mehrere an der Medica teilnehmende Forschungsinstitute und Hersteller arbeiten zurzeit an so genannten interaktiven Systemen. Exemplarisch zu nennen ist RoboDent für den Einsatz in der Kieferchirurgie, vorgestellt von der Charité in Berlin.
Vor der Operation werden vom Kiefer des Patienten mehrere digitale Röntgenbilder aufgenommen. Diese digitalen Daten füttern dann ein Software-Programm, mit dessen Hilfe der Arzt vor der Operation in 3-D-Qualität am Klinik-Computer die Operation durchspielen kann. Per Mausklick können genau die Punkte und die Eingriffstiefen am Kiefer bestimmt und festgehalten werden, die später während der Operation ein einfaches Vorgehen versprechen. Der Chirurg arbeitet während des Eingriffs im Operationssaal mit computergesteuerten Instrumenten. Weicht er von den vorher am Computer festgelegten Eingriffspunkten ab oder droht er, zu tief zu bohren, dann fängt das Gerät in seiner Hand an zu vibrieren oder hält im Extremfall ganz inne.
Ebenfalls neu ist ein Ultraschallverfahren, das zur Heilung von Knochenbrüchen künftig eingesetzt wird. Mit „niederenergetisch gepulstem Ultraschall“ wird die Fraktur stimuliert. Der Patient kann sich zu Hause mit einem passenden Gerät bei einer Frequenz von 1,5 MHz und einer abgegebenen Energie von 30 mWatt/cm³ jeden Tag 20 Minuten selbst beschallen. Der Ultraschall-Vorgang wirkt dabei positiv auf die Zellstruktur des Knochens ein. et

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