VARIA: Schlusspunkt

zu Fonds: Volle Kanne

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzähle, hat sich wirklich zugetragen, und zwar vor ein paar Tagen erst. Eine durchaus renommierte Kapitalanlagegesellschaft nahm mit mir Kontakt auf:
„Hätten Sie vielleicht Lust, einen eigenen Fonds aufzulegen und ihn auch selbst zu managen?“ Ich könne auch nach Gusto festlegen, wie die Anlagepolitik des Fonds sein solle, und ich müsste bloß mal eben zu einem ersten Gespräch nach Luxemburg kommen, weil es halt dort leichter sei, einen Fonds aufzulegen als bei den pingeligen Deutschen.
Die Verblüffung, wieso das Ansinnen gerade an mich gerichtet wurde, löste sich schnell auf. In Deutschland gibt es nur gut 1 000 bankaufsichtsrechtlich zugelassene Vermögensverwalter. Diese seltene Spezies der vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred) abgesegneten Finanzdienstleister ist anscheinend mittlerweile auch für solche Adressen interessant genug, eine Anbahnung zu versuchen.
Nun gut, die Sache hat mich doch sehr gereizt, das ganze Drumherum mit Kosten und Erträgen und vor allem, was das primäre Interesse der dahinter stehenden Kapitalanlagegesellschaft ist.
Um es kurz zu machen. Es ging und geht in allererster Linie um Geld. Um die Produktion von Kosten, genauer gesagt. Ob der Fonds eher spekulativ oder konservativ ausgerichtet sein sollte, welche Branchen oder Regionen er abzudecken hatte, spielte praktisch keine Rolle.
Wichtig war nur, mir klar zu machen, wie nötig ein möglichst hoher Ausgabeaufschlag ist, damit der Fonds auch für Vertriebsleute attraktiv ist.
Dass den Anlegern ein hohes Disagio die Rendite zumindest am Anfang gründlich verhagelt, wird insoweit wohl als normal angesehen. Ebenso flüsterten mir die Verantwortlichen vor Ort zu, dass die Luxemburger Aufsichtsbehörden bei der jährlich zu berechnenden Verwaltungsgebühr (Management Fee) erst dann knurrten, wenn sie über 2 Prozent pro Jahr hinausginge. Das muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Fonds, der 5 Prozent Ausgabeaufschlag hat und dem Anleger jährlich knapp 2 Prozent Verwaltungskosten aufbrummt, kann speziell in schlechten Börsenzeiten fast keine gute Performance-Figur mehr machen. Der Fondsgesellschaft kann es aber egal sein; mit ihrer üppigen Kostenstruktur ist sie immer auf der sicheren Seite.
Ein Einzelfall? Solcherart Erfahrung macht doch sehr neugierig auf die Frage, wie halten es denn andere Fondsgesellschaften mit ihren Kosten und Gebühren. Die Ausgabeaufschläge differieren erheblich, bei Aktienfonds sind sie im Trend (maximal 5 Prozent) natürlich höher als bei Rentenfonds (durchschnittlich 2,5 Prozent).
Bei den laufenden Kosten für die Verwaltung und den Gebühren für die Wertpapierkäufe selbst mangelt es sehr an Transparenz. Oft werden unter dem Strich bei vielen Fonds Gesamtkosten von zwei Prozent pro Jahr „erwirtschaftet“. Das kann der Rendite ganz schön wehtun. Genaues Hinsehen vor der Fondsentscheidung ist also ganz wichtig.
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