VARIA: Schlusspunkt

Rente? Nein, danke!

Dtsch Arztebl 2001; 98(47): [88]

Pfleger, Helmut

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Schach ist alles für ihn. Er hat ein Glück erlebt, das wenigen vergönnt ist. Nicht nur das tun zu dürfen, was er am besten kann, sondern es auch grenzenlos zu lieben. Sage ich Liebe? Eigentlich ist es eher eine rasende Leidenschaft, eine Obsession, ein Leben, das ohne Schach nicht nur uninteressant, sondern schlicht sinnlos würde . . .
Nicht nur in seiner Generation, auch in der nachfolgenden gibt es keinen, der ihm an Kampfgeist nahe kommt. Einige haben das Spiel ganz aufgegeben, andere treten nur noch hin und wieder in einem Veteranenturnier an. Im Alter Schach zu spielen hat etwas von einem grausamen Brauch der Antike, als man Galeerensklaven die Daumen abschnitt, sodass sie zwar noch rudern, aber keine Lanzen mehr werfen konnten.
Nur Kortschnoi setzt den Kampf fort, wie er es sein Leben lang getan hat. Er durchlebt immer noch mit ganzem Herzen, was sich auf dem Brett abspielt“ (aus dem Vorwort von G. Sosonko in Viktor Kortschnoi „Meine besten Kämpfe“, Edition Olms).
Kürzlich wollte ihn die Schweizer Rentenanstalt zwingen, in Rente zu gehen. Nichts da! „Ich zahle weiter ein und höre erst auf, wenn ich zum Prügelknabe werde.“
Und danach schaut es nicht aus. Mit 70 Jahren hat er gerade wieder einen Riesensprung in der Weltrangliste gemacht – nach oben! Nachdem er das äußerst starke Turnier in Biel gewonnen hatte (bei dem all seine Rivalen seine Enkel hätten sein können), meinte der Zweite, der russische Weltklassespieler Peter Swidler: „Er war der Jüngste von uns allen. Sein Spiel ist noch etwas unausgeglichen, aber – wehe Gott – wie spielt er erst, wenn er reif wird!“
Da ruft man gern mit Kasparow aus: „Viva Viktor! Mit solchen Menschen wie dir bleibt unser geliebtes Spiel ewig jung!“
Jetzt jedenfalls steht erst einmal die WM in Moskau an (Beginn am 25. November). Viele Jahre war er Vizeweltmeister – langsam wird es Zeit, die Vorsilbe „Vize“ wegzulassen.
Sehen Sie, mit welch prächtigem Zug er als Weißer den bosnischen Großmeister Ivan Sokolov überraschte, sodass dieser sofort aufgab?

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