ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Private Kran­ken­ver­siche­rung: Gefangen im System

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Gefangen im System

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3153 / B-2673 / C-2481

Flintrop, Jens

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LNSLNS Rund 7,5 Millionen Bundesbürger sind mittlerweile ausschließlich privat krankenversichert. Dies kann zu einem Problem werden. Wer sich nämlich auf eine private Kran­ken­ver­siche­rung festlegt, trifft eine Entscheidung fürs Leben – und das in zweifacher Hinsicht: Einerseits gestattet der Gesetzgeber den Wechsel zurück in die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung nur in Ausnahmefällen. Dies ist sinnvoll, weil solidarisch. Andererseits ist ein Wechsel zu einer anderen privaten Kran­ken­ver­siche­rung zwar möglich, aber kaum zu empfehlen. Denn der Versicherte darf seine Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen. Diese Regelung schadet dem Versicherten und verhindert einen Wettbewerb um die Bestandskunden in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung.
Privat Krankenversicherte zahlen in jungen Jahren mehr und in alten weniger, als für ihre medizinische Versorgung notwendig ist. Aus den Ersparnissen in den Anfangsjahren bilden die Versicherungen eine Rücklage, die übermäßig hohe Prämien im Alter verhindern soll. Ende 2000 hatten die privaten Kran­ken­ver­siche­rungsunternehmen 116 Milliarden DM an Alterungsrückstellungen gehortet. Wer kündigt, hat davon aber nichts mehr. Die Versicherung behält die auf den Einzelnen entfallenden Rücklagen ein, wenn er zur Konkurrenz wechselt. Ein unhaltbarer Zustand. Beim neuen Unternehmen muss der Versicherte dann neue Ersparnisse fürs Alter bilden. Die Folge: Die Prämien sind erheblich höher oder steigen rasch unverhältnismäßig stark.
Dem in einem teuren Vertrag „gefangenen“ Versicherten räumt der Gesetzgeber bislang nur die Möglichkeit ein, beim gleichen Unternehmen nach einem günstigeren Tarif zu fahnden. Das System lade dazu ein, die Versicherten mit niedrigen Prämien anzulocken und dann zu schröpfen, sagt Hermann-Josef Tenhagen von der Zeitschrift „Finanztest“. Das Blatt vergleicht in seiner aktuellen Ausgabe das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Beitragsentwicklung 358 privater Kran­ken­ver­siche­rungsangebote.
Den Kran­ken­ver­siche­rungen gefällt ihr „Kuschelwettbewerb“. Sie können sich auf ihr Neukundengeschäft konzentrieren. Deshalb ist der Gesetzgeber gefordert, für einen echten Wettbewerb in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung zu sorgen. Im Sinne der Versicherten.
Jens Flintrop
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