ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001„Große“ ICSI-Studie: Endergebnis liegt vor

AKTUELL

„Große“ ICSI-Studie: Endergebnis liegt vor

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3156 / B-2676 / C-2484

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die intracytoplasmatische Spermieninjektion hat die Sterilitätsmedizin revolutioniert. Foto: Bayer AG
Die intracytoplasmatische Spermieninjektion hat die Sterilitätsmedizin revolutioniert. Foto: Bayer AG
Zusätzliches Hauptrisiko liegt bei den Eltern.

Die Methode der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) birgt kein relevantes Risiko für kindliche Fehlbildungen. Die leicht erhöhte Rate an Malformationen ist vielmehr bedingt durch die Eltern (siehe auch DÄ, Heft 47/2001). Unbereinigt liegt die Rate der großen Fehlbildungen im ICSI-Kollektiv von 3 372 Kindern bei 8,6 Prozent, im Kontrollkollektiv (5 602) wurde ein Wert von 6,8 Prozent erhoben. Das relative Risiko von 1,28 wurde nach Adjustierung mit minimal 1,035 und maximal 1,114 berechnet.
Das ist das Ergebnis der deutschen ICSI-Follow-up-Studie, die als erste prospektiv angelegt war und die Fehlbildungen nach standardisierten internationalen Kriterien auch im Kontrollkollektiv aktiv erfasst hat. Wie Priv.-Doz. Dr. med. Michael Ludwig (Lübeck) als Studienleiter beim XV. Jahrestreffen der Deutschen IVF-Zentren in Magdeburg darlegte, waren im ICSI-Kollektiv signifikant mehr Hintergrundrisiken für Malformationen zu sichern (höheres Alter der Mütter, mehr berufsspezifische Risiken der Mutter, Fehlbildungen bei Geschwistern und Eltern, häufiger Adipositas und Gestationsdiabetes) als in der Kontrollgruppe.
Anhand der ermittelten relativen Risiken wurde berechnet, welche Auswirkungen die ICSI-Methode auf 1 000 geborene Kinder hat: Normalerweise sind 68 Kinder mit Fehlbildungen zu erwarten. Bei nicht adjustierten Raten wäre mit 18 zusätzlichen Fällen zu rechnen, nach Adjustierung auf das maximale Risiko mit sieben zusätzlichen und bei Bezug auf das minimale Risiko mit zwei zusätzlichen Fällen. Für die Beratung von Kinderwunschpaaren, bei denen alle anderen Techniken versagt haben und die eine ICSI „avisieren“, ergibt sich damit eine suffiziente Aufklärungspflicht
Es konnte kein festes Muster von Malformationen ermittelt werden, am häufigsten waren Fehlbildungen an Herz und Urogenitaltrakt. Eine invasive Pränataldiagnostik sieht Ludwig nicht als indiziert an. Er plädierte bei ICSI-Schwangerschaften für eine qualifizierte Ultraschall-Untersuchung.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema