ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Antidiabetika: Glitazone schützen die Gefäße des Diabetikers

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Antidiabetika: Glitazone schützen die Gefäße des Diabetikers

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3223 / B-2713 / C-2403

EB

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LNSLNS Neuere Untersuchungen deuten an, dass Glitazone wie Pioglitazon (actos®) nicht nur günstige Effekte auf die Blutzuckerspiegel und den HbA1c-Wert haben, sondern darüber hinaus Wirkungen anstoßen, die sich bei Diabetikern in einer Gefäßprotektion niederschlagen. So korrigiert Pioglitazon neben den Blutzuckerwerten auch die bei Diabetikern typischen Veränderungen des Lipidstoffwechsels – und zwar vor allem die erhöhten Triglyceridwerte und das meist niedrige HDL-Cholesterin.
Bei einem Symposium der Firma Takeda Pharma in Glasgow stellte Prof. Erland Erdmann (Universität Köln) Daten vor, wonach die Intima-Media-Dicke der Karotis – sie dient als Surrogatparameter für die Ausprägung arteriosklerotischer Veränderungen des gesamten Gefäßsystems – unter Pioglitazon nicht weiter zunimmt beziehungsweise sich sogar leicht zurückbildet.
Deutliche Besserung der Betazellen-Funktion
Dieser Befund basiert auf einer Untersuchung bei 52 Typ-2-Diabetikern, die sechs Monate lang placebokontrolliert mit Pioglitazon behandelt wurden. Während die IMT in der Placebogruppe in diesem Zeitraum um 0,22 mm zunahm, wurde nach Erdmann unter Pioglitazon ein Rückgang um 0,084 mm registriert.
Besonderes Interesse verdienen nach Prof. Paolo Brunetti (Perugia) zudem die Wirkungen des Antidiabetikums auf den Lipidstoffwechsel. So nehmen unter der Behandlung sowohl die freien Fettsäuren als auch die Triglyceride ab, das HDL-Cholesterin steigt. Gleichzeitig wird eine Steigerung der Insulinsensitivität gesehen und eine deutliche
Besserung der Betazellen-Funktion. Die beschriebenen Effekte sind gut dokumentiert worden, wobei rund 2 500 Patienten im Rahmen einer Monotherapie und mehr als 1 500 im Rahmen einer Kombinationstherapie behandelt wurden, etwa 500 von ihnen länger als ein Jahr.
Bei der Beurteilung des Wirkeffektes muss man allerdings nach Brunetti etwas Geduld haben, die volle klinische Wirksamkeit ist erst nach etwa 18 Wochen erreicht. Dann aber ist im Mittel mit einer Reduktion des HbA1c-Langzeitwertes um ein bis sogar 2,5 Prozentpunkte zu rechnen, wobei die Ergebnisse am ausgeprägtesten bei jenen Patienten sind, die bisher nicht mit oralen Antidiabetika vorbehandelt wurden. Parallel dazu ergibt sich eine Trigylceridreduktion um zehn bis 15 Prozent, während das HDL-Cholesterin um drei bis zwölf Prozent ansteigt.
Vermittelt werden die Effekte durch den Transkriptionsfaktor PRAR (peroxisome proliferation activated receptor), wobei zwischen
PRARg und PRARa unterschieden werden muss. Pioglitazon ist der bislang einzige Wirkstoff seiner Gruppe, der beide Transkriptionsfaktoren aktiviert, was die gegenüber anderen Glitazonen unterschiedlichen Effekte auf die Lipide erklärt, wie Prof. Bart Staels (Lille) erläuterte.
So scheinen die positiven Auswirkungen auf die Glukose-Homöostase und die Steigerung der Insulinempfindlichkeit primär durch die Aktivierung von PRARg bedingt zu sein. Die zusätzliche Aktivierung von PRAPa dürfte hingegen die lipidmodulierende Wirkung von Pioglitazon erklären. EB
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