ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Männergesundheit: Nachgetröpfelt

POLITIK: Die Glosse

Männergesundheit: Nachgetröpfelt

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3166 / B-2684 / C-2491

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Lange genug haben wir Männer uns das Lamentieren der Frauen über die mangelhafte Gesundheitsversorgung ihrer spezifischen Wehwehchen anhören müssen. Landauf, landab Kongresse, auf denen wir mit den neuesten Erkenntnissen über die Benachteiligung von Frauen drangsaliert wurden. Sogar bis zu einer Anhörung im Bundestag hat es das schwache Geschlecht geschafft. Doch damit ist nun Schluss. Wer lebt denn im Durchschnitt sieben Jahre weniger als die Frauen? Wer trinkt mehr, raucht mehr, ist übergewichtig, geht nicht zu Vorsorgeuntersuchungen und ist sogar zu blöd, zum Arzt zu gehen, wenn er wirklich krank ist? Das starke Geschlecht ist sehr viel schwächer, als wir jemals zugeben würden. Schon die Säuglingssterblichkeit liegt bei Jungen höher als bei Mädchen. Inzwischen wissen wir, dass auch die Wechseljahre kein Privileg der Frauen mehr sind und dass wir genauso anfällig sind für die typisch weibliche Depression.
Und dann gibt es noch die Probleme der ganz besonderen Art, über die mann schon gar nicht reden möchte. Tröpfelt es nach, müssen Sie Nacht für Nacht raus, können Sie nicht so, wie Sie wollen? „Leiden Sie nicht still!“ fordert der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU). Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie hat er die bundesweite Veranstaltungsserie „Männergesundheitstage 2001: Prostata und Potenz“ ins Leben gerufen, damit „Männer jetzt die Fragen stellen, die sie nie wagten zu stellen“. Die erste Staffel der Veranstaltungsserie unter der Schirmherrschaft von Ex-Bundespräsident Roman Herzog führt durch elf Städte.
Nach Angaben von BDU-Präsident Dr. med. Klaus Schalkhäuser leiden fünf bis sechs Millionen deutsche Männer unter der erektilen Dysfunktion, fast drei Millionen Männer befinden sich wegen Prostatavergrößerung oder -krebs in ärztlicher Behandlung – Grund genug für ihn, die Bundesregierung aufzufordern, „die ,Wechseljahre des Mannes‘ verfassungsrechtlich der Menopause gleichzustellen“ und die Prostataerkrankungen als neue Volkskrankheit in eines der geplanten Disease-Management-Programme aufzunehmen.
Und auch in anderer Beziehung wollen wir nicht mehr hinter den Frauen zurückstehen. Gebt uns endlich den „Männerarzt“, damit ein für allemal klar ist, an wen wir uns zu wenden haben, wenn wir ein bestimmtes Problem haben. Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema