ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Irak: Dank an IPPNW und Professor Gottstein

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Irak: Dank an IPPNW und Professor Gottstein

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3189 / B-2702 / C-2509

Johannsen, Lorenz Peter

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LNSLNS Zuvor meinen herzlichen Dank für diese wichtige Veröffentlichung! Wer Prof. Gottstein kennt, weiß, dass er, wie er selbst schreibt, „Humanist und Arzt“ ist. Man weiß aber auch, dass die Quelle, aus der sich sein langjähriges, großes Engagement für die ausgepowerte, Not leidende irakische Bevölkerung speist, seine christliche Überzeugung ist, in der es für die Nächstenliebe keine Grenzen gibt (Martin Buber setzt übrigens an die berühmte Stelle des „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, das Wort: „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du“). In seiner nüchternen und pragmatischen Art wird Prof. Gottstein große Worte gar nicht hören wollen, aber nach dem 11. September ist es bedeutungsvoller geworden zu wissen, von wem die Hilfe kommt. Bei uns sind immer häufiger Zeichen des Antiislamismus zu entdecken, der Schritt zum „Antiarabismus“ ist nicht weit. Im Irak hat der „christliche“ Westen mit seiner Embargopolitik selbst zur Eskalation seiner „Verteufelung“ beigetragen und stärkt so – Tag für Tag – radikalen Islamisten den Rücken.
Es will schon etwas heißen und mag vielleicht auf manchen provozierend wirken, wenn der in seiner Wortwahl sonst eher zurückhaltende Prof. Gottstein „dem Westen“ ein „Verbrechen“ bescheinigt, „das zudem töricht und kontraproduktiv wirkt“. Angesichts der mangelernährten, marantischen, an banalen – bei uns gut behandelbaren – Krankheiten sterbenden Kinder muss aber jede Kritik an der deutlich formulierten Anklage verstummen. Zeichen der Solidarität und der Hilfsbereitschaft, die aus dem Westen kommen, sind gerade jetzt wichtig. Sie unterlaufen das klischeehafte Freund-Feind-Schema. Natürlich können NGOs (Nichtregierungsorganisationen) nur punktuell dazu beitragen, die Not der Kinder, Alten und Kranken zu lindern und den Hunger zu stillen, so wichtig jede einzelne Hilfsaktion auch ist. Ein politischer Paradigmenwechsel (auf allen Seiten!) zugunsten der Zivilbevölkerung ist längst angezeigt. Die Ereignisse der letzten Wochen geben zu Hoffnung allerdings wenig Anlass. Anlass besteht daher umso mehr, sich bei der IPPNW und Prof. Gottstein als Botschaftern des guten Willens zu bedanken und die Arbeit zugunsten der Notleidenden zu unterstützen. Es sieht schließlich so aus, als würden Prof. Gottstein und die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter der IPPNW wohl noch öfters in den Irak fahren müssen. (Warum ist Prof. Gottstein eigentlich so bescheiden, dass er nicht mal eine Kontonummer der IPPNW angibt, oder darf man das in redaktionellen Beiträgen nicht?)
Dr. Lorenz Peter Johannsen, Alte Jülicher Straße 257, 52353 Düren
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