ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Bereitschaftsdienst: Energischer Widerspruch

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Bereitschaftsdienst: Energischer Widerspruch

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3191 / B-2703 / C-2510

Franke, R.

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LNSLNS Dem Leserbrief, in dem der Kollege die Krankenhausambulanzen für unnötig und überflüssig hält und glaubt, dadurch die Assistenzärzte zu entlasten, muss ich aus meiner Erfahrung einer fast 40-jährigen chirurgischen Tätigkeit im Krankenhaus energisch widersprechen. Der Kollege verkennt völlig die Situation, die sich täglich, besonders nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen, in der chirurgischen Ambulanz eines zentral gelegenen Stadtkrankenhauses darstellt. Der Krankenhausarzt holt sich doch nicht die Patienten von der Straße. Vielmehr kommen diese, weil sie schnelle Hilfe suchen und wissen, dass sie diese im Krankenhaus rund um die Uhr auch erhalten. Dass sie den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte nicht aufsuchen, haben nicht wir Krankenhausärzte zu vertreten. Den Grund sollten die niedergelassenen Ärzte bei sich selber suchen. Soll der Dienst habende Ambulanzarzt die Patienten etwa abweisen, sich dem Unverständnis und der berechtigten Verärgerung der Patienten aussetzen und darüber hinaus das Risiko einer juristischen Verfolgung wegen unterlassener Hilfeleistung tragen? Dass Assistenten oft überfordert seien, ist eine unbewiesene Behauptung, weil diese in großer Zahl in fortgeschrittener chirurgischer Weiterbildung stehen oder bereits Fachärzte sind. Ob im Übrigen Röntgenaufnahmen therapeutische Konsequenzen haben, ergibt sich immer erst hinterher. Die Nasenprellung ist nun wirklich ein ungeeignetes Beispiel. Jeder meiner Assistenten würde sich freuen – gerade im Hinblick auf die aktuelle Diskussion ihrer Überbelastung –, wenn er eine Nacht im Bereitschaftsdienst durchschlafen könnte oder am Wochenende eine Verschnaufpause hätte. Ich will nicht den Wert und den Einsatz des Bereitschaftsdienstes der niedergelassenen Ärzte bezweifeln oder mindern, aber die Realität ist nun einmal eine andere. Der Verdacht, die Krankenhäuser wollten auf die ambulanten Notdiensteinnahmen nicht verzichten, ist unsinnig bei einer pauschalen Erstattung jedes Falles mit 36,00 DM.
Dr. med. R. Franke, St. Elisabeth-Hospital, Bleichstraße 15,
44787 Bochum
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