ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Penicillin-V-Dosis zu niedrig?

MEDIZIN: Diskussion

Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Penicillin-V-Dosis zu niedrig?

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3213 / B-2718 / C-2525

Bergen, Gernot

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LNSLNS Der Beitrag ist für uns Praktiker sicher von einigem Nutzen. Allerdings wäre der Nutzeffekt bestimmt größer gewesen, wenn schon in dieser Studie (und nicht wie andiskutiert erst später) der Effekt der Makrolid- und Cephalosporin-Therapie mit der bisher immer empfohlenen Standardtherapie (1) mit hochdosiertem Penicillin V (100 000 E/kg/die) verglichen worden wäre. In dem Handbuch wird diese hochdosierte Penicillin-V-Gabe als Therapie der Wahl damit begründet, dass „nur noch damit gewährleistet (sei), dass die Konzentration im Tonsillengewebe hoch genug ist, um die Streptokokken tatsächlich zu eliminieren.“ (S. 530) Der Leser fragt sich nun, warum in der jetzt publizierten Studie eine anscheinend untaugliche Penicillin-V-Dosis gewählt wurde.
Darüber hinaus entwickeln Streptokokken zunehmend Resistenzen gegenüber Makroliden, was auch als Argument für den Einsatz von Pneumokokkenimpfungen dient (2). Wird im Übrigen nicht eine Verbesserung der Patientencompliance bei Einsatz von Breitbandantibiotika (Makrolide oder Cephalosporine) gegen die weiterhin auf Penicillin-V-hochsensiblen A-Streptokokken (alle Isolate der Studie waren ja sensibel) mit einer Resistenzzunahme auch dieser Erreger erkauft? Die Ergebnisse können irreführen, zumal eine Kurzzeittherapie lockt.

Literatur
1. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI). Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Handbuch. 2. Auflage. München: Futuramed-Verlag 1997; 527–532.
2. Volz S, Habermehl P, Zell A, Knuf M: Pneumokokken und Pneumokokkenimpfstoffe. Bedeutung für die Pädiatrie. Monatsschrift für Kinderheilkunde 2001; 149: 394–409.

Dr. med. Gernot Bergen
Torgraben 3
97437 Haßfurt

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