ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Problematischer Einsatz

MEDIZIN: Diskussion

Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Problematischer Einsatz

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3214 / B-2584 / C-2336

Jakob, Benjamin

zu dem Beitrag von Doz. Dr. med. Horst Scholz Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Dieter Adam Manfred Helmerking in Heft 21/2001
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LNSLNS Die Schlussfolgerung der Autoren, dass bei der durch Streptokokken
der Gruppe A ausgelösten Tonsillopharyngitis primär eine fünftägige Therapie mit Oralcephalosporinen oder Aminopenicillin/Laktamasehemmerkombinationen erfolgen sollte, kann ich aus den vorliegenden Daten nicht nachvollziehen. Klinische Wirksamkeit und bakteriologische Eradikationstherapie unterscheiden sich bei beiden Substanzgruppen nicht von der Standardtherapie mit Penicillin V. Eine von 24,8 Prozent in der Zehn-Tage-Gruppe auf 21,9 Prozent in der Fünf-Tage-Gruppe verminderte Rezidivquote in der Nachbeobachtungszeit von einem Jahr erscheint klinisch kaum relevant, zumal mindestens 50 Prozent der „Rezidive“ in Wirklichkeit Reinfektionen waren.
Warum also soll angesichts der derzeitig wachsenden Probleme mit bakteriellen Resistenzen der Einsatz eines Breitspektrum-Antibiotikums indiziert sein, wenn alle Gruppe-A-Streptokokken-Stämme, die im Rahmen der Studie getestet wurden, Penicillin-V-sensibel waren? Eine Ausweitung des abgedeckten antimikrobiellen Spektrums ohne Not kann hier nur nachteilige Konsequenzen für die zukünftige Resistenzentwicklung haben. Insbesondere bei Kindern sollte nicht frühzeitig eine Resistenz der Standortflora gefördert werden.
Angaben zu Nebenwirkungen in den beiden Therapiearmen, die die Alternativtherapien vorteilhafter erscheinen lassen würden, fehlen in der Studie.
Die Inzidenz der gefürchteten Folgeerkrankungen der Streptokokkeninfektion wie rheumatisches Fieber und Glomerulonephritis wird nur insgesamt angegeben, nicht jedoch, welche Therapie die betroffenen Patienten erhalten hatten, sodass hieraus kein Vorzug für eine breitere Therapie abgeleitet werden kann.
Auch erscheint die für Erwachsene angegebene Dosis von 1 bis 1,5 Millionen E pro Tag sicherlich nicht adäquat, um ausreichend hohe Gewebekonzentrationen und Eradikationsraten zu erreichen. Eher würde man dreimal 1 bis 1,5 Millionen E pro Tag rezeptieren.
Anhand der hier vorgelegten Daten halte ich den Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika bei der Streptokokken-Tonsillopharyngitis insbesondere aufgrund der Gefahr von Resistenzentwicklungen für problematisch.

Benjamin Jakob
Erikastraße 32
66424 Homburg/Saar

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