ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Studiendesign fragwürdig

MEDIZIN: Diskussion

Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Studiendesign fragwürdig

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3215 / B-2585 / C-2337

Marget, Walter; Knothe, Hans

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LNSLNS Schon seit einigen Jahren wird besonders in den USA über die erforderliche Therapiedauer diskutiert. Nachdem einige regionale Häufungen von rheumatischem Fieber in verschiedenen Staaten erneut aufgetreten sind, ist man deswegen übereinstimmend bei der zehntägigen Therapie geblieben. Dies gilt aber wie von Kaplan 1995 ausdrücklich postuliert für alle A-Streptokokken-wirksamen Präparate, einschließlich der Makrolide (außer Azithromycin) (1).
Es ist den Autoren zu danken, wenn nun auch in unserem Land die Infektiologen auf diese offensichtlich noch offene und wichtige Frage der Therapiedauer hingeführt werden.
Das Vorgehen in der Studie von Scholz et al. soll an einem Patientenkollektiv von 4 180 Erkrankten belegen, dass pauschal gesehen sechs verschiedene Präparate bei einer fünftägigen Behandlung zumindest einer zehntägigen Behandlung von Penicillin V bei der akuten Tonsillitis gleichwertig, wenn nicht sogar ungefähr ein Prozent überlegen war, wie in pädiatrischen Praxen an den klinischen Symptomen festgestellt wurde. Eine fünftägige Behandlung mit Penicillin V wurde als Vergleichsbasis nicht durchgeführt. Die Eradikation der Erreger lag jeweils nach Therapieende bei rund 84 Prozent, wobei die zehntägige Behandlung um ungefähr ein Prozent besser abschnitt. Bei asymptomatischen Keimträgern lagen etwa gleiche Ergebnisse vor, die zehntägige Therapie lag hierbei um ungefähr zwei Prozent niedriger (Tabelle 2).
Der vorliegende Vergleich ist unseres Erachtens jedoch nur mit Vorbehalt zu bewerten, denn die aufgeführten sechs Antibiotika haben nicht nur erheblich unterschiedliche Halbwertszeiten, sondern sie sind auch teilweise bakterizid (wie Penicillin V) und teilweise vorwiegend bakteriostatisch (Makrolide). Das Design dieser Studie lässt unter diesen Auspizien nur die Folgerung zu, dass alle verwendeten Antibiotika bei einer akuten Tonsillopharyngitis gut wirksam sind; eine Beobachtung, die in zahllosen Einzeluntersuchungen hinreichend belegt ist.
Es wurde nicht geklärt, ob das rheumatische Fieber durch die Therapiedauer beeinflusst wurde, denn es ist bei dem in Mitteleuropa relativ seltenen Auftreten dieser Erkrankung während der Durchführung der Studie überhaupt nicht möglich, eine Auswertung in dieser Richtung durchzuführen. Die längere Therapiedauer wird, aber nur wegen der Folgeerkrankungen durchgeführt. Nicht etwa aufgrund der schlechten Wirksamkeit von Penicillin V, unter dem bis heute keine Resistenz aufgetreten ist (wie auch die Autoren erwähnen).
Unter Berücksichtigung dieser Fakten kann aber auch genauso gut in Deutschland mit Penicillin V eine fünftägige Behandlung durchgeführt werden (siehe auch Tabelle 3). Global gesehen ist eine zehntägige Therapie sicherlich zweckmäßig, weil das rheumatische Fieber international nach wie vor eine erhebliche Bedeutung aufweist.
Davon abgesehen ist Penicillin V auch bei einer zehntägigen Behandlung preislich eindeutig am günstigsten.

Literatur
1. Kaplan EL, Gooch III WM, Notario GF, Craft JC: Macrolide therapy of group A streptococcal pharyngitis: 10 days of macrolide therapy (clarithromycin)
is more effective in streptococcal eradication than
5 days (azithromycin). Clin Infect Dis 2001; 32 (12): 1798–1802.

Prof. Dr. med. Walter Marget
Mathildenstraße 5, 82319 Starnberg

Prof. Dr. med. Hans Knothe
Bogenweg 10, 63303 Dreieich-Buchschlag

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