ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Rätselhafte Therapieempfehlung

MEDIZIN: Diskussion

Kurzzeittherapie der Streptokokken-Tonsillopharyngitis: Rätselhafte Therapieempfehlung

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3216 / B-2708 / C-2400

Appolt, Bernd; Morgenroth, Hartmut; Terhardt, Martin; Katte, Irene von

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LNSLNS Die Autoren kommen in ihrem Beitrag zu dem Schluss, dass eine Fünf-Tage-Therapie mit einem Oralcephalosporin der Gruppe 2 oder mit Amoxicillin-Clavulansäure der zehntägigen Behandlung mit Penicillin V vorzuziehen ist. Diese Folgerung ziehen die Verfasser in der von ihnen zitierten eigenen Originalarbeit nicht; danach ist sowohl die klinische Wirksamkeit der verglichenen Therapieregime nach zwei bis vier Tagen und nach sieben bis neun Tagen als auch die bakteriologische Wirksamkeit nach zwei bis vier Tagen und nach sechs bis sieben Wochen äquivalent.
Bei der Rezidivrate während der einjährigen Nachbeobachtung der Patienten, als auch bei dem Abklingen klinischer Symptome weist die Studie signifikante Unterschiede der Therapiegruppe nach. Diese Unterschiede benutzten die Autoren in der Originalarbeit nicht, um zu einem Schluss zu kommen, der dem oben genannten Resultat im Deutschen Ärzteblatt entspricht. Dies taten die Autoren berechtigterweise nicht, weil ihre Arbeit trotz großer Probandenzahlen so viele Mängel im Design aufweist, dass ein Schluss über die Äquivalenz hinaus nicht zulässig ist.
Einer der gravierendsten Mängel ist der, dass die Studie nicht doppelblind angelegt wurde. Aus diesem Grund sind Vergleiche der klinischen Symptomatik und die einjährige Nachbeobachtung nicht für eine statistische Analyse verwertbar.
Es ist rätselhaft, wie die Autoren entgegen den Ergebnissen ihrer eigenen Studie zu der genannten Empfehlung kommen. Des Weiteren fehlt eine Kosten-Nutzen-Analyse, wie auch eine Diskussion gegenteiliger Empfehlungen.
Danach bleibt für uns weiter Penicillin V das Mittel der ersten Wahl in der Behandlung von Patienten mit Streptokokken-Tonsillopharyngitis. Erst wenn ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis erbracht worden ist, das eine Therapieform wesentlich verbessert wurde, sollte eine bisherige Behandlungsweise geändert werden.

Bernd Appolt
Dr. med. Hartmut Morgenroth
Dr. med. Martin Terhardt
Dr. med. Irene von Katte
Düsseldorfer Straße 75
40878 Ratingen

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