ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2001NeisVac-C: Neuer Impfstoff gegen C-Meningokokken

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NeisVac-C: Neuer Impfstoff gegen C-Meningokokken

Dtsch Arztebl 2001; 98(48): A-3221 / B-2589 / C-2341

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Rund 45 Prozent der invasiven bakteriellen Meningitiden werden durch Meningo-kokken ausgelöst, die Letalität liegt mit zehn Prozent hoch. In Deutschland entfallen 70 Prozent der Meningokokken-Meningitiden auf den Serotyp B, gegen den keine Impfung möglich ist.
Dagegen ist für die Prophylaxe des mit 21 Prozent – im Süden Deutschlands 28 bis 39 Prozent – selteneren Serotyps C ein neuer Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoff zugelassen. Dieser verspricht bereits bei Kleinstkindern ab zwei Monaten einen Langzeitschutz.
Kinder und Kleinkinder betroffen
Bei der Vorstellung des von der Firma Baxter entwickelten Impfstoffes NeisVac-CTM in Frankfurt/Main wies Prof. Sieghart Dittmann, als stellvertretender Vorsitzender der Ständigen Impfkommission der Deutschen Ärzteschaft
(STIKO), auf die Vorteile der Konjugat-Impfstoffe hin: 40 Prozent der Meningitis-C-Fälle treten bei Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf. Aber speziell bei Kleinkindern zeigen herkömmliche Polysaccharid-Impfstoffe keine gute Wirkung und induzieren keinen Langzeitschutz.
Durch die Koppelung (Konjugation) des Polysaccharid-Antigens an ein Protein ist es gelungen, eine T-Zell-spezifische Immunantwort zu erzielen – über die Induktion von Gedächtniszellen sollte ein Langzeitschutz ausgebildet werden.
Wie Dr. Rudolf Schosser (Medizinischer Direktor von Baxter) darlegte, zeichnet sich das neue Produkt aufgrund bestimmter Herstellungsschritte (Modifikation an einer Seitenkette des Antigens) und der Koppelung an das Tetanus-Toxoid (anstelle des Diphtherietoxins) durch eine höhere immunogene Wirkung aus als andere Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffe.
In klinischen Studien wurde insbesondere für Kleinkinder (n = 214) im Alter von zwölf bis 18 Monaten die gute Wirksamkeit des Impfstoffes nachgewiesen: Der Serum Bacterial Assay als Surrogatparameter zeigte laut Schosser signifikant höhere Werte als die beiden anderen Konjugat-Impfstoffe, nach Boosterung mit unkonjugierter Meningitis-C-Vakzine wurden als Zeichen für das immunologische Gedächtnis signifikant höhere Antikörpertiter dokumentiert. Die Impfung ist nach Erfahrungen in England (bei 1,6 Millionen Impfungen kam es zu 195 Meldungen mit 440 Symptomen) gut verträglich. Es wurden überwiegend Lokalreaktionen und fieberhafte Impfreaktionen berichtet.

Prophylaxe auch bei Langzeitaufenthalten in Großbritannien

Eine Prophylaxe von Meningokokken-C-Erkrankungen wird von der STIKO empfohlen für Personen mit besonderer Disposition (Immundefekte wie Hypogammaglobulinämie oder Asplenie), bei Exposition (Reisen, Mekkapilger) sowie für Schüler und Studenten vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit hohem C-Anteil (England, Wales, Irland, Spanien, Tschechien, Slowakei, Schweiz). Bei gehäuftem Auftreten von Meningitis-C-Fällen sind laut Dittmann regionale Impfungen zu überdenken.
Dr. Renate Leinmüller
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