ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2001Bovine spongiforme Enzephalopathie: Lebend-Test für Rinder rückt näher

AKTUELL: Akut

Bovine spongiforme Enzephalopathie: Lebend-Test für Rinder rückt näher

Dtsch Arztebl 2001; 98(49): A-3241 / B-2741 / C-2549

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Am Tierärztlichen Institut der Universität Göttingen sprach man in der letzten Woche von einem „deutlichen Schritt in Richtung Lebendtest“, bei der kalifornischen Firma Chronix Biomedical in Benicia glaubt man sogar an einen „Durchbruch“. Tatsächlich ist es der Forschergruppe um Prof. Bertram Brenig gelungen, im Blut erkrankter Tiere „indirekte Hinweise“ auf eine Infektion mit veränderten Prionen zu finden. Sie setzten dabei die Technik der US-Firma ein, die sich auf den Nachweis von Nukleinsäuren in Körperflüssigkeiten spezialisiert hat. Eben solche Nukleinsäuren fanden die deutschen Forscher jetzt im Blut von erkrankten Tieren. Diese Nukleinsäuren sind nicht etwa Teil des Erregers, der keine Erbinformation aus RNA oder DNA enthält, sondern sich über die Eigenschaften der Proteinfaltung vermehrt. Vielmehr handelt es sich um vom Körper in Reaktion auf die Infektion freigesetzte Substanzen.

Dies erklärt die vorsichtige Einschätzung aus Göttingen im Gegensatz zum Optimismus der Amerikaner. Denn der Test ist neuartig und nicht mit anderen Gentests vergleichbar. Er wurde bisher bei keiner anderen Krankheit eingesetzt. Parallel zu BSE wird allerdings auch beim Golfkriegsveteranensyndrom nach einem ätiologischen Agens gesucht, sodass die Validität noch völlig unklar ist. Die Validierung soll jetzt jedoch innerhalb eines halben Jahres erfolgen, wobei dieser Zeitplan womöglich nicht eingehalten werden kann. Da die BSE-Epidemie sich nicht wie befürchtet explosionsartig entwickelt, dürfte es schwierig werden, ausreichend Blutproben von infizierten Tieren zu erhalten. Im ersten Jahr nach der ersten Erkrankung waren nur knapp über hundert Fälle registriert worden. Im November war der konventionelle Hirntest nur in vier Fällen positiv, sodass eine exponentielle Zunahme der Erkrankungen derzeit nicht befürchtet wird.

Für die Validierungsstudien werden jedoch mehrere Hundert Blutproben benötigt. Außerdem ist unklar, in welchem Stadium der Infektion der Test positiv würde. Man darf vermuten, dass die Erkrankung bereits fortgeschritten sein muss, bis die nachgewiesenen Nukleinsäuren aus dem Gehirn in die Blutbahn ausgeschwemmt werden. Ein Frühtest wird es nach den jetzigen Erkenntnissen wohl nicht werden. Rüdiger Meyer
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