ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2001Bayern: Mit Schlittenhunden durch den Frankenwald

Supplement: Reisemagazin

Bayern: Mit Schlittenhunden durch den Frankenwald

Dtsch Arztebl 2001; 98(49): [10]

Sturmhoebel, Elke

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Foto: Elke Sturmhoebel
Foto: Elke Sturmhoebel
Die beiden Japaner in ihren dicken Pelzen machen sich gut im tief verschneiten Frankenwald. Wenn sie sitzen, schauen sie so gelassen und abgeklärt wie buddhistische Zen-Meister und geben keinen Laut. Nur beim Laufen fehlt Bara noch die rechte Motivation und überlässt ihrem Kumpel die Arbeit. Merlin muss sich schwer ins Geschirr legen, um den Gepäckschlitten zu ziehen und läuft dabei leichtfüßig durch die weiße Winterlandschaft. Die Rede ist von Akita-Inus, Nippons Nationalhunden. Die einst treuen Kampfgefährten der Samu-rai sind ausdauernd und ant-arktiserprobt. Im rauen Klima des Frankenwaldes gerade richtig.
„Willkommen im Franken-wald, dem südlichsten Aus-läufer von Alaska.“ Ulrich Renke, der in Presseck die Teilnehmer so flott begrüßt, sieht mit dem baumelnden Fuchsschwanz an der Fellmütze aus wie ein Trapper. So wie sich früher die Jäger und Fallensteller durch den Tiefschnee Nordamerikas bewegten, können sich jetzt Gäste von ihm und den Hunden durch den Frankenwald führen lassen. Jack London lässt grüßen.
Rein in die Bindung, los geht’s. Nach ersten Gehver-suchen mit den breiten Schneeschuhen laufen die abenteuerlustigen Winter-wanderer schon ganz gut. Schritt für Schritt geht es voran. Vorneweg und hintereinander die Hunde, die die Pulka ziehen. Hinter dem Schlit-ten gibt Ulrich Renke die Kommandos. Ab und an kriegt Bara einen Rüffel, damit sie sich mehr ins Zeug legt. Es schneit ohne Unter-lass, und über die Höhen pfeift ein eisiger Wind. Eine silberne Sonne schiebt sich für einen kurzen Moment zwischen perlgraue Wolken. Schneewehen türmen sich auf.
Der Winter im Frankenwald kann ein halbes Jahr dauern. Weil das raue Klima dieses oberfränkischen Mittelgebirges wenig geeignet für Ackerbau ist, ließen sich erst ab dem 12. Jahrhundert Leute hier nieder. Der Wald, das Holz wurden zum Motor der Besiedlung und ernährten Handwerker, Köhler, Sägemüller und Flößer. Die Bamberger Fürstbischöfe indes profitierten von den Zöllen, die sie auf die Holzausfuhr erhoben. Acht Jahrhunderte lang wurden die Baumstämme über Main und Rhein bis nach Holland verfrachtet. Die Arbeit der Flößer war hart und gefährlich und hat nichts gemein mit den Floßfahrten auf der wilden Rodach, die im Sommer für Touristen veranstaltet werden.
Bei der Ankunft in Kronach am vorigen Tag war schon ein winterlicher Hauch zu verspüren. Die Dächer, Stadttore und Türme der mittelalterlichen Stadt mit der größten Festung Deutschlands waren weiß überpudert. Je höher es geht und je tiefer man in den Frankenwald, der „grünen Krone Bayerns“, eindringt, desto dichter wirbeln die Flocken. Am nächsten Tag ist der Schnee bereits kniehoch. Bei Presseck, auf fast 700 Metern Höhe, sind Schneeschuhe wirklich angebracht. Mit den ellipsenförmigen Kunststoff-Tretern, die früher aus Weidengeflecht gefertigt wurden, kann man nicht einsinken. Die zehn Schneeschuhwanderer hinterlassen riesige Fußstapfen.
Die Zweige der Fichten biegen sich unter der Schneelast. Die Landschaft ist dünn besiedelt, und mehr als die Hälfte der Region ist Wald. Der Frankenwald ist bis heute Nutzwald. Elke Sturmhoebel

Reise-Tipps: Ein zweitägiges Wander-Programm mit Schneeschuhen und Schlittenhunden kostet 365 DM pro Person. Im Preis enthalten sind unter anderem eine Übernachtung mit Frühstück und ein fränkisches Menü.
Informationen: Ulrich Renke, Haid 1, 95355 Presseck, Telefon: 0 92 62/97 24 11, Fax: 97 24 12.
Auskunft: Tourist-Information Frankenwald, Adolf-Kolping-Straße 1, 96317 Kronach, Telefon: 0 92 61/60 15-0, Fax: -15; E-Mail: tourismus@frankenwald.btl.de; Internet: www.btl.de/frankenwald
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