ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2001Fernreisen: Was Diabetiker beachten sollten

Supplement: Reisemagazin

Fernreisen: Was Diabetiker beachten sollten

Dtsch Arztebl 2001; 98(49): [15]

Schrörs, Hans-Jürgen

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LNSLNS Personen mit Diabetes mellitus können genauso verreisen wie Gesunde. Sie müssen allerdings geschult sein und sich sehr gut im Umgang mit ihren Medikamenten auskennen.

Die Gefahren bei einem Diabetiker liegen sowohl in einer Erhöhung des Blutzuckers (Hyperglykämie) als auch in einer Unterzuckerung (Hypoglyk-
ämie). Letztere ist wohl die gefährlichere Komplikation, da sie schnell und ohne wesentliche Vorwarnungen auftritt. Bei Reisen in fremde Regionen sollte sich jeder Diabetiker zunächst über die verschiedenen und teilweise fremden Kostformen und Kohlenhydrat-Austauschtabellen informieren. Hier helfen Ratgeber im Buchhandel und Diabetiker-Verbände weiter.

Checkliste vor der Reise
c Medikamente in doppelter Menge mitnehmen;
c Blutzucker-Messgerät und genügend Teststreifen mitnehmen;
c Internationalen Diabetikerausweis besorgen;
c Traubenzucker und kleine Zwischenmahlzeiten (zum Beispiel Müsliriegel) besorgen;
c Injektionsbesteck und Lanzetten in ausreichender Menge mitnehmen;
c Eventuell Insulinkühlbox bestellen.
Der Diabetiker-Bund empfiehlt, ein ärztliches Attest mit auf die Reise zu nehmen, in dem die Injektionsbehandlung und das Injektionsbesteck bescheinigt werden. Dies erspart Ärger und Zeit beim Zoll. Ein Zertifikat kann beim Diabetiker-Bund, Landesverband Baden-Württemberg, Offenbachstra-
ße 12, 74629 Pfedelbach, mit einem frankierten Rückumschlag bestellt werden. Es ist darauf zu achten, dass Medikamente, Teststreifen und Injektionsbestecke in doppelter Menge vorhanden sind. Wegen der Gefahr von Diebstahl und des Gepäckverlustes am Flughafen sollten diese Utensilien in zwei verschiedenen Gepäckstücken untergebracht werden. Ein Transport von Insulin im Koffer ist zu vermeiden, da in den Gepäckräumen der Flugzeuge oft Minustemperaturen herrschen.

Zeitumstellung

Die Zeitumstellung bereitet Diabetikern oftmals ein Problem. Wenn der Zielort nur ein oder zwei Stunden entfernt ist, entstehen in der Regel keine Schwierigkeiten. Bei größeren Entfernungen sollte sich insbesondere der insulinpflichtige Diabetiker an vorgegebene Regeln halten.

Checkliste Zeitumstellung
c Einnahme von oralen Antidiabetika (Tabletten): Die Tabletten werden nach Umstellung der Uhren zu den üblichen Zeiten weiter genommen.
c Einnahme von oralen Antidiabetika und Insulin: Die Tabletten werden nach Umstellung der Uhren zu den üblichen Zeiten weiter genommen, der Blutzucker wird alle drei Stunden gemessen und durch eventuelle Normal-Insulininjektionen eingestellt.
c Insulintherapie: Bei kurzen Reisen ohne Zeitumstellung ist keine Änderung erforderlich, bei Zeitumstellung siehe folgenden Text (Regeln für insulinpflichtige Reisende).


Regeln für insulinpflichtige
Reisende
c Flug nach Westen (Zeitverlängerung, weil der Tag länger wird). Je Stunde Zeitverlängerung wird die nächste Insulindosis um ein Zwölftel (1/12) erhöht, anschließend Blutzuckerkontrolle alle drei Stunden und Anpassung der Dosis
c Flug nach Osten (Zeitverkürzung, weil der Tag kürzer wird). Je Stunde Zeitverkürzung wird die nächste In-
sulindosis um ein Zwölftel (1/12) ge-
kürzt, anschließend Blutzuckerkontrolle alle drei Stunden und Anpassung der Dosis

Hypoglykämie

Die Hypoglykämie ist nicht ungefährlich und kann schnell zur Bewusstseinseintrübung oder gar zum Schock mit Bewusst-
losigkeit führen.

Symptome und Maßnahmen bei Hypoglykämie:
c Keine Beschwerden, Blutzucker unter 50 mg %;
c Aufnahme einer Broteinheit (1 BE);
c Leichtes Schwitzen, Zittern und Hunger;
c Aufnahme von zwei Broteinheiten (2 BE);
c Starkes Schwitzen, Denkstörungen, Herzklopfen;
c Aufnahme von drei Broteinheiten (3 BE);
c Verwirrtheitszustand, beginnende Somnolenz und Bewusstseinsstörun-
gen;
c Hilfe nur durch Hilfsperson oder Arzt möglich;
c Hilfsperson: 1 Ampulle Glukagon s. c. (subcutan) oder i. m. (intramuskulär);
c Arzt: 40 mg 40 %ige Glukose i. v. (intravenös), ggf. Glukoseinfusion

Merke: Eine Unterzuckerung stellt sich schnell ein und muss dringend sofort behandelt werden.

Hyperglykämie (Blutzuckerentgleisung): Die Entgleisung des Blutzuckers im Sinne einer Erhöhung (Hyperglyk-
ämie) stellt sich immer langsam ein und führt unbehandelt allmählich über Durstgefühl, allgemeine Schwäche und Müdigkeit zur Bewusstseinseintrübung. Der Patient mit einer Hyperglykämie schläft sehr viel, kann aber aufgeweckt werden (im Gegensatz zum Patienten im hypoglykämischen Schock). Die regelmäßige Zuckermessung im Urin muss gerade auf einer Reise selbstverständlich sein. Dabei sollte der Urinzucker möglichst unter einem Prozent liegen. Treten Werte über drei Prozent auf, ist eine Kontrolle des Acetons im Urin erforderlich. Sie kann mit Urinteststreifen erfolgen. Liegt eine Acetonausscheidung vor, sollte der Diabetiker einen Arzt aufsuchen. Daneben ist für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen, die mehrere Liter Wasser täglich betragen kann. Eine Neueinstellung des Blutzuckers ist anschließend dringend geboten.

Maßnahmen bei Hyperglykämie

Blutzucker erhöht > 250 mg % und:

c Urinaceton negativ: Viel Trinken; Blutzucker eventuell vorsichtig mit Normalinsulin senken*; Nahrungsaufnahme gleichzeitig, um Unterzuckerung vorzubeugen; Blutzuckertests mehrmals täglich.

c Urinaceton positiv: Möglichst Arzt bestellen; sehr viel trinken; Blutzucker durch Normal-Insulingabe senken (zusätzlich 20 % des Tagesbedarfes)*; Blutzuckerkontrolle alle 2 Stunden; körperliche Schonung
* 1 Einheit (E) Normalinsulin senkt den Blutzucker um circa 25 mg %.

Weitere Informationen im Internet kostenfrei unter www.reisevorsorge.de

Dr. med. Hans-Jürgen Schrörs,
Arzt für Allgemeinmedizin
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