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Diabetes

Dtsch Arztebl 2001; 98(49): A-3306 / B-2788 / C-2589

Mehnert, Hellmut

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Biografie
Kurzweilige Lektüre


Hellmut Mehnert: Diabetes – eine lebenslange Herausforderung. Reihe: ecomed-Biografien. Ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg, 2000, 352 Seiten, Format 14 × 21,5 cm, Hardcover, 68 DM
Die flüssig geschriebenen Memoiren umfassen eine Zeitspanne von mehr als 70 Jahren und bieten eine recht kurzweilige Lektüre, vor allem für Leser, die mit der medizinischen Szene Münchens und seiner Umgebung vertraut sind. Bewegend ist die Schilderung von Mehnerts zweieinhalb Jahre dauernder Haftzeit in einem sowjetischen Internierungslager. Begleitet wird der biografische Text von einer sehr informativen, edukativen und leicht lesbaren Systematik des Diabetes mellitus. Aber erst die subjektive Schilderung von Zeiten und Gestalten macht das Buch zu Lebenserinnerungen im eigentlichen Sinn.
Auf 350 Seiten ist viel Gutes und Bedeutendes über den Autor zu erfahren. Dabei fällt besonders der Respekt vor der Institution des (deutschen) Ordinarius auf, der nominell und inhaltlich schon lange nicht mehr existiert. Dieser Ehrerbietung bedarf es angesichts eigener Verdienste freilich nicht: Mehnert leistete Pionierarbeit für die oralen Antidiabetika in enger Kooperation mit der forschenden Industrie, er gestaltete maßgeblich die Münchner Krankenhausreform und etablierte die Forschungsgruppe Diabetes. Vor allem aber hat Mehnert den Kenntnisstand über die Zuckerkrankheit in der Bevölkerung systematisch erweitert und dadurch entscheidende Voraussetzungen für eine verbesserte Prognose geschaffen.
Sehr viele Namen von bedeutenden und weniger bedeutenden Zeitgenossen werden genannt, vom Fußballidol Franz Beckenbauer (Dr. h. c., wie man erfährt) über Gerd Fröbe bis zu zahlreichen Nobelpreisträgern des In- und Auslands, Fachkollegen und medizinischen Zelebritäten vergangener Tage. Mit nahezu allen Persönlichkeiten verbindet Mehnert eine globale Freundschaft. Gegner scheint er nicht zu haben, und so muss man schon akribisch nach Namen suchen, die nicht genannt werden, zum Beispiel den des keineswegs unbekannten Diabetologen M. Berger (Düsseldorf).
Mehnerts Neigung zu Hausberufungen im universitären wie außeruniversitären Bereich mag manchen Leser irritieren. Die Frage der Gen- und Zelltherapie beim Diabetes mellitus hätte ausführlicher behandelt werden können.
Alles in allem handelt es sich um Lebenserinnerungen aus dem großartigen Gedächtnis eines wichtigen ärztlichen Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts. Der von Harmonie und Lebensglück durchströmte Text macht das Buch des „Volksdiabetologen“, wie sich Mehnert gerne nennen lässt, gerade wegen der allgemein verständlichen medizinischen Passagen auch für den Nicht-Mediziner und Nicht-Diabetiker lesenswert. Berndt Lüderitz
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