ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2001Telekom: Hoffnungsvoller Sprössling

VARIA: Schlusspunkt

Telekom: Hoffnungsvoller Sprössling

Dtsch Arztebl 2001; 98(49): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ein runder Geburtstag ist im Prinzip eine feine Sache. Da gibt es Geschenke zuhauf und vor allem warme bis ehrende Worte für den Jubilar. Doch bei der Deutschen Telekom, die vor fünf Jahren an die Börse kam, war den Akteuren so gar nicht zum Feiern zumute.
„Bloß kein Tamtam, jetzt wird erst mal in die Hände gespuckt“, war wild entschlossen aus Bonn zu hören. Die Konzernoberen hatten gleich gar die Devise ausgegeben, solange der Kurs nicht deutlich weiter stiege, gäbe es auch keinen Grund für Festlichkeiten jedweder Art.
Wohl wahr. Den meisten Aktionären ist die Lust zu Hurrarufen bei der T-Aktie ohnehin vergangen, hatten sie in den letzten 60 Monaten überwiegend Grund zu tiefstem Wehklagen. Für die Berufsbeobachter des Bonner Unternehmens gibt es ebenfalls keinen Anlass zum Frohsinn. Dazu lagen die Experten in der Vergangenheit zu oft daneben. Als die Telekom im Frühjahr 2000 auf über 100 Euro stieg, befand sich die Aktie auf den Empfehlungslisten fast aller Investmenthäuser, beim Kurs im Tief von 13,12 Euro fand sich dagegen niemand, der mutig zum Einstieg riet. Ein Fehler, denn in den letzten acht Wochen nach Erreichen des Tiefststandes war mit dem Wertpapier viel Geld zu verdienen.
Dass das Sorgenkind seinem sechsten Geburtstag in einem Jahr erwartungsfroher als jetzt entgegensehen kann, ist indessen durchaus möglich. Zwar wird dieses Geschäftsjahr sicher noch mit einem Verlust enden, aber andererseits sind die enormen Schulden deutlich abgebaut. Die jüngsten Zinssenkungen der Notenbanken helfen auf der Kostenseite überdies nachhaltig.
Bemerkenswert ist nur, dass momentan die Experten eher von einem Einstieg bei der T-Aktie abraten. Wieder einmal zur falschen Zeit? Als Grund wird vor allem das Verstreichen einer so genannten Lockup-Frist für Großaktionäre genannt, die am 1. Dezember ablief.
Nach diesem Datum können mehrere Finanzadressen, darunter Hutchison Whampoa aus Hongkong, Sonera aus Finnland und die New Yorker Bank Goldman Sachs, bis zu 230 Millionen Telekom-Aktien auf den Markt werfen. So weit de jure, so weit die geschlossenen Verträge. Faktisch ist es aber so, dass meines Erachtens dieser Riesenhaufen an T-Aktien längst vor dieser Frist auf den Markt geworfen wurde, und zwar über Termingeschäfte.
Es könnte also durchaus sein, dass die Kursschwäche der Telekom in den beiden letzten Novemberwochen Resultat genau solcher Transaktionen war. Wer jetzt mutig kauft, hat gute Chancen, in einem Jahr fröhlich mitzufeiern. Die Zeichen dafür stehen wirklich nicht schlecht.
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