ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2001Kassenärztliche Vereinigungen: Die Augen öffnen

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Kassenärztliche Vereinigungen: Die Augen öffnen

Dtsch Arztebl 2001; 98(50): A-3321 / B-2801 / C-2601

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Es ist höchste Zeit, sich Sinn und Zweck Kassenärztlicher Vereinigungen vor Augen zu führen. Den Kassenärzten nützen sie, weil sie gegenüber dem Oligopol der Krankenkassen auftreten und den einzelnen Kassenarzt frei von Honorarverhandlungen halten. Den Krankenkassen nützt es, kompetente Verhandlungspartner zu haben. Dem Patienten nützen die Kassenärztlichen Vereinigungen, weil sie die ambulante ärztliche Versorgung flächendeckend und qualitätsbewusst gewährleisten. Das nützt zudem auch den Krankenkassen und dem Staat, der sich um diese Seite des Gesundheitswesens keine Sorgen machen muss.
Zurzeit haben indes die Kritiker am System der Kassenärztlichen Vereinigungen Oberwasser, angeführt von allerlei Experten, die im machtpolitischen Geschäft immer zur Hand sind, insbesondere jetzt, wo die ersten Schritte zu einer großen Reform des Krankenkassensystems getan werden müssen.
Schwer verständlich ist, weshalb gerade zu Beginn einer heißen politischen Phase Kassenärzte und einige ihrer Vertreter die eigenen Organisationen klein zu reden versuchen. Ja, seit kurzem wird sogar dafür geworben, Ersatz für die KVen zu suchen.
Angeboten werden als Alternativen Vereinigungen der niedergelassenen Ärzte nach gewerkschaftlichem Muster. Man erhofft sich davon eine schlagkräftigere Interessenvertretung, weil ja dann die Zwänge einer körperschaftlichen Organisation und die Rücksicht auf das Gemeinwohl, dem Körperschaften bekanntlich verpflichtet sind, entfallen würden.
Doch statt vorauseilend nach alternativen Konstruktionen zu suchen, wären die Kassenärzte gut beraten, die inneren Reformen voranzutreiben, Gruppeninteressen zu überbrücken, Eifersüchteleien zurückzustellen und ihre eigenen Körperschaften mit all ihren Vorzügen geschlossen öffentlich zu vertreten. Die Gegner Kassenärztlicher Vereinigungen sollen erst einmal überzeugend dartun, wie sie sich den Ersatz vorstellen und was er den Patienten bringt. Notfalls können die Kassenärzte ja mithilfe ihrer dann hoffentlich gestärkten KVen ihren Patienten die Augen öffnen. Norbert Jachertz
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