ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2001Krankenhäuser: Zumutung

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Krankenhäuser: Zumutung

Dtsch Arztebl 2001; 98(50): A-3321 / B-2801 / C-2601

Clade, Harald

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LNSLNS Der Entwurf eines Fallpauschalengesetzes, mit dem die diagnosebezogenen Falpauschalen für Krankenhäuser ab 2003/2004 eingeführt werden sollen, geht in die entscheidende parlamentarische Beratungsphase. In dieser Woche hatte der Bundestagsausschuss für Gesundheit Änderungsanträge zu beraten, die die Umsetzung und Akzeptanz erheblich erschweren könnten. Keinesfalls darf der beabsichtigte Paradigmenwandel in der Krankenhausfinanzierung zu einem Kahlschlag in der stationären Krankenhausversorgung führen. Eine flächendeckende Versorgung mit Krankenhausleistungen ist Verfassungsauftrag und darf weder durch die Krankenhausrahmenplanung noch das Finanzierungssystem infrage gestellt werden.
Auch der freiwillige Umstieg vom alten in das neue System ab 2003 darf nicht durch praxisfremde australische Bewertungsrelationen und Kostengewichte sowie durch ministerielle Ersatzvornahmen blockiert werden. Die sektorale Budgetierung ist ohnedies ein Systemfehler, weil eine marktgerechte Steuerung über leistungsgerecht kalkulierte Festpreise einfach nicht mit der Ausgabendeckelung vereinbar ist.
Der Basisfallwert ist das Kernelement des diagnoseorientierten Fallpauschalensystems. Auf dieser Grundlage wird das Preisniveau der stationären Leistungen bestimmt. Die als landesweite Festpreise definierten Entgelte müssen leistungsgerecht kalkuliert sein. Die Ermittlung des Fallwertes darf daher nicht an Bedingungen gekoppelt werden, die im Effekt auf eine Gesamtbudgetierung hinauslaufen. Dann wäre das mit einem riesigen Verwaltungs- und Kraftaufwand zu implementierende DRG-Entgeltsystem wie bisher ein reines Verteilungsinstrument knapper Budgets.
Der freiwillige Einstieg in das neue DRG-Finanzierungssystem wird ein lahmender Selbstläufer: Wenn den Pilot-Krankenhäusern zugemutet werden sollte, die australischen Kostengewichte und Kalkulationen in einem „vorläufigen“ Fallpauschalenkatalog anzuwenden, weil die deutschen DRG-Schlüssel wegen der Zeitknappheit noch nicht vorliegen, würde dies von Anfang an zu falschen und nicht kostendeckenden Preisen führen. Wirtschaftliche Häuser würden bestraft oder existenziell vernichtet, weil in Australien nicht alle Kostenelemente kalkuliert werden, die in deutschen Kliniken gelten. Dieser Fehler wäre später kaum korrigierbar. Dr. rer. pol. Harald Clade
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