ArchivDeutsches Ärzteblatt50/20019. Deutscher Fachärztetag: Gefahr in Verzug

POLITIK

9. Deutscher Fachärztetag: Gefahr in Verzug

Dtsch Arztebl 2001; 98(50): A-3340 / B-2592 / C-2328

Schmidt, Klaus

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LNSLNS Öffnung der Hochschulkliniken bedroht niedergelassene Fachärzte.

Die bayerischen Hausärzte wollen die niedergelassenen Fachärzte im Protest gegen die Pläne der unionsgeführten Länder im Bundesrat unterstützen, die Hochschulkliniken für die ambulante fachärztliche Versorgung zu öffnen. Dies sagte Dr. med. Wolfgang Hoppenthaller, 2. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, beim 9. Deutschen Fachärztetag in München.
Auch der Vorsitzende der KV Bayerns, Dr. med. Axel Munte, wandte sich gegen die Pläne. Für ihn laufe die Öffnung der Hochschulkliniken darauf hinaus, dass die ambulante fachärztliche Versorgung durch niedergelassene Ärzte zerstört und letztlich in das Krankenhaus verlagert werde. In der Konkurrenz zu den bestens ausgestatteten Hochschulkliniken würden viele Fachärzte ihre dem heutigen Stand der Technik entsprechende Praxisstruktur nicht erhalten können. Sollte der im Bundesrat beschlossene Entwurf als Gesetz gebilligt werden, dann seien die Fachärzte künftig gezwungen, sich auf Leistungen im privaten Bereich zu konzentrieren, sagte Munte. Damit werde einer Zwei-Klassen-Medizin endgültig Tür und Tor geöffnet.
Fachärzte: Freiberufler und Dienstleister der Kliniken?
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Gudrun Schaich-Walch, machte sich zwar für eine Aufhebung der strikten Trennung zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor stark, sprach sich aber für eine ambulante Versorgung durch niedergelassene Fachärzte aus. Sie könne sich vorstellen, dass künftig „medizinische Kom-petenzzentren“ entstünden, in denen die Fachärzte als Freiberufler ihre Leistungen erbrächten. Nötig sei ein durchgängiges Vergütungssystem. Was jetzt mit den DRGs im Krankenhaus begonnen werde, solle später im ambulanten Sektor fortgesetzt werden, kündigte die Staatssekretärin an.
Bedenken äußerte Munte angesichts der Versuche der Krankenkassen, Disease-Management-Programme ohne Beteiligung der Ärzteschaft einzuführen. Die Kassen versuchten zurzeit,
den Ärzten die Kompetenz abzusprechen und die Disease-Management-Programme auf diese Weise allein in ihre Verantwortung zu legen. Tatsächlich ginge es den Krankenkassen dabei weniger um eine Verbesserung der Versorgung chronisch Kranker, sondern – im Verteilungskampf untereinander – um die zur Disposition stehenden Gelder für die Programme.
„Verkorkste Finanzierung“
Hoppenthaller argwöhnte, mit den Disease-Management-Programmen wolle man lediglich die „verkorkste Finanzierung der Krankenkassen über die Runden retten“. Er befürchte, dass allmählich ein „Krankenkassen-Staat“ entstünde, wenn man bedenke, wohin die Patienten-Daten in den Disease-Management-Programmen fließen sollen. In zwei bis drei Jahren wären etwa 70 Prozent der Patienten in den Programmen, „und dann werden die KVen abgelöst“.
Dr. med. Thomas Scharmann, Vorsitzender der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände in Bayern, befürchtet darüber hinaus eine Umverteilung der Ressourcen von der bisherigen Regelversorgung zu den Disease-Management-Programmen – mit der Folge einer Mangelversorgung bei anderen Krankheiten. Klaus Schmidt
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