ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2001Italien: Musica e dolce vita

VARIA: Feuilleton

Italien: Musica e dolce vita

Dtsch Arztebl 2001; 98(50): A-3386 / B-2851 / C-2647

Seger, Gabriele

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LNSLNS Musikferien in der Toskana

Toskana – sanft gewellte Hügelketten mit zypressengesäumten Wegen und malerisch gelegenen Gehöften. Eine ideale Umgebung zum Entspannen und gemeinsamen Musizieren.
Hügellandschaft bei Volterra
Hügellandschaft bei Volterra
Das fanden auch der Konzertgitarrist Fabian Payr und seine Frau Ariane Egner-Payr und gründeten 1993 die Ferienmusikschule musica viva. Diese veranstaltet seitdem einwöchige Kurse für Hobbymusiker in der Toskana sowie Wochenendworkshops in Deutschland. Die Liste der Angebote ist in den letzten acht Jahren stetig gewachsen, und mittlerweile gibt es Kurse für Saxophon, Gesang, Gitarre, Klavier, Klarinette, Flöte, Kammermusik, Bigband und Tanz. Dabei ist musica viva stets um neue Konzepte bemüht. Dieses Jahr bot die Ferienmusikschule auch erstmals eine Vokalexpedition an, bei der in verschiedenen toskanischen Kirchen gesungen wird.
Erholung in stilvollen Landhäusern
Die Musikkurse finden in ausgewählten toskanischen Landhäusern und Villen statt. Es sind zum Teil jahrhundertealte Gebäude, die von ihren Besitzern mit Rücksicht auf die ursprüngliche Bausubstanz und Liebe zum Detail renoviert wurden, ohne dabei den ländlich einfachen Charakter zu verfälschen.
In Hügellage, unweit der alten Etruskerstadt Volterra, liegt das Landhaus Podere San Cristoforo. Von hier aus kann man seinen Blick über die weiten Hügel und Täler schweifen lassen. Zwei Schweizer Familien haben dieses Landhaus von 1999 bis 2001 zum Seminarhaus ausgebaut. In familiärer Atmosphäre verwöhnen sie ihre Gäste mit italienischer Küche, die ihren schweizerischen Einschlag nicht verbergen kann. Die Unterbringung erfolgt in Zweibettzimmern mit eigenem Bad, aber auch einige Einzelzimmer stehen zur Verfügung. Die hohen Gewölbe des Landhauses, insbesondere im Speisesaal, in der Bibliothek und in den Arbeitsräumen, bieten eine optimale Akustik.
Gitarrenunterricht auf der Piazza von Podere San Cristoforo. Fotos: Gabriele Seger
Gitarrenunterricht auf der Piazza von Podere San Cristoforo. Fotos: Gabriele Seger
Lernen bei professionellen Musikern
Die Dozenten der Kurse sind, wie Fabian Payr von musica viva selbst, professionelle Musiker. Zu ihnen zählen auch die Sängerin, Songwriterin und Arrangeurin Anne Hartkamp und der Konzertgitarrist Peter Reimer. Gemeinsam leiten sie den Kurs Gitarre und Gesang. Der Unterricht beginnt gleich morgens nach einem echten Schweizer Birchermüsli mit Stimmbildung und Körperübungen. Spätestens nach dieser Kurseinheit ist man frisch und munter. Die Dozentin gibt Anleitungen zur Atemtechnik und Körperhaltung und integriert dabei auch Elemente aus dem Tai Chi in ihr Programm.
Und dann geht’s los: Laut erschallen die ersten Töne im Raum. Bereits die Stimmbildungsübungen klingen wunderbar nach Musik, und es ist schon ein Erlebnis, wenn in kleinen Gruppen rhythmische Pattern angestimmt werden, die an afrikanische Gesänge erinnern. Nun ist man vorbereitet für den speziellen Unterricht am Nachmittag, den Anne Hartkamp und Peter Reimer mit Humor gestalten. Freude am Musizieren zu vermitteln ist den Dozenten besonders wichtig.
Zwischen den Unterrichtseinheiten bleibt aber auch Zeit für Entspannung. Diese ist in einer Umgebung voller Musik unausweichlich: Überall im Haus und auf der Piazza werden Musikstücke auf der Gitarre geübt oder Lieder gesungen. Es ist, als tauche man in eine andere Welt. Die Stimmung in der Gruppe ist ausgelassen und harmonisch. Und so enden auch die Abende damit, dass jemand noch einmal zur Gitarre greift und gemeinsam musiziert wird. Dabei geben auch die Profis ihr Können zum Besten. Beseelt von der Musik, geht man zu Bett und schläft bei Grillenzirpen wohlig ein.
Der Unterricht der Musikkurse läuft über fünf von sechs Tagen. Ein Tag dient der freien Gestaltung. Von Podere San Cristoforo aus bieten sich dann zum Beispiel Ausflüge nach Volterra, Pisa, Siena, Florenz oder Lucca an.
Zum krönenden Abschluss der Musikwoche wird am letzten Abend ein gemeinsames Konzert gegeben. Hier werden die Stücke, die jeder im Laufe der Woche einstudiert hat, vor Publikum vorgetragen. Diese Herausforderung gehört unbedingt dazu, denn es ist faszinierend, was das engagierte Dozententeam bei jedem Teilnehmer an musikalischen Fähigkeiten hervorgezaubert hat. Laien und Anfänger, die sonst nur in der Badewanne singen, stehen auf der Bühne und schmettern ihre Lieder; Fortgeschrittene wirken so professionell, als hätten sie nie etwas anderes getan. Dass die Wangen vom Lampenfieber gerötet sind, ist dabei ebenso zweitrangig wie hin und wieder der ein oder andere schräge Ton. Alle sind fröhlich und feierlich gestimmt und erfreuen sich an den eigenen Darbietungen und denen der anderen.
Von der Muse geküsst
Von der Muse geküsst, fährt man am nächsten Tag nach Hause, und dieses beschwingte Gefühl hält danach noch eine ganze Weile an. Kein Wunder, dass sich viele Teilnehmer voller Begeisterung auch im nächsten Jahr wieder für ein Musikseminar anmelden. Gabriele Seger
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