ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2001Steuern: Lustvolle Verluste

VARIA: Schlusspunkt

Steuern: Lustvolle Verluste

Dtsch Arztebl 2001; 98(50): [96]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Alle Jahre geschieht immer wieder aufs Neue, dass der Steuerberater mit sorgenzerfurchter Miene seinem Mandanten Angst macht. Stein auf Bein schwört dann der gute Mann, wie wichtig es sei, den schon gereiften Dezember zu nutzen.
Sie haben richtig vermutet, es geht darum, dem Fiskus Geld zu entlocken oder es ihm schon gar nicht zu geben. Steuersparen ist das Zauberwort. Ganz zufällig zieht der Berater auch noch die passenden Prospekte aus dem Ärmel, was darf es denn sein, eine Schiffsbeteiligung, ein Leasingmodell oder doch lieber ein Windpark?
Abgesehen davon, dass manche (nicht alle!) Berater in solchen Fällen eine Vermittlungsprovision bekommen, sind viele Steuersparmodelle mit inniger Vorsicht zu genießen.
Neben dem enorm hohen Kostenblock, den der Initiatorenkreis und dessen Umfeld verursacht, ist es vor allem das unternehmerische Risiko, das an solchen Projekten wie zäher Leim klebt. Wer auf einem faulen Beteiligungsei sitzt und jahrelang aus der Kiste nicht rauskommt, weiß davon ein Lied zu singen. Seien Sie versichert, davon gibt es jede Menge, so ist zumindest meine Erfahrung aus vielen Börsebius-Telefonberatungen.
Ein wirklich vernünftiges Steuersparmodell ohne große Kosten für Dritte zu produzieren, können Anleger in diesem Jahr selbst ohne fremde Hilfe realisieren. Vorausgesetzt, sie haben Aktien mit Verlustpositionen im Depot. Und wer hat die nach diesem verkorksten Börsenjahr nicht!
Mit dem Jahreswechsel 2001/2002 ändern sich nämlich die Besteuerungsgrundlagen bei Wertpapieren so wesentlich, dass ein Gegensteuern wirklich lohnt. Das so genannte „Halbeinkünfte-Verfahren“ wird dann geltendes Recht. Ab 1. Januar nächsten Jahres sind Dividenden, Spekulationsgewinne, aber eben auch Verluste aus Wertpapiergeschäften immer nur mit dem halben Steuersatz zu versteuern beziehungsweise zu verrechnen. Was bedeutet das aber praktisch?
Ein kleines Beispiel: Angenommen, Sie sitzen bei der Telekom-Aktie, die vor zehn Monaten gekauft wurde, auf einem Verlust von 5 000 Mark. Anderseits könnten Sie einen steuerpflichtigen Gewinn von 5 000 Mark bei ThyssenKrupp gegenrechnen, die sie vor erst acht Wochen gekauft haben. Wenn Sie morgen alles verkaufen, gilt das steuerlich als Nullsummenspiel. Eine gute Idee, könnte man meinen.
Tatsächlich wäre ein solches Vorgehen aber gar nicht zweckmäßig. Besser wäre, ThyssenKrupp dieses Jahr zu verkaufen. Der ganze Verlust von 5 000 Mark lässt sich auf das folgende Jahr verlagern (Verlustvortrag). Falls ThyssenKrupp im nächsten Jahr innerhalb der Spekulationsfrist verkauft wird, braucht gleichwohl nur der „halbe“ Gewinn versteuert zu werden. Ein schönes Geschäft also und ganz ohne die üblichen Bauchschmerzen bei Steuersparmodellen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema