ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1996Die Beelitzer Heilstätten werden saniert: Ins Denkmal kehrt wieder Leben ein

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Die Beelitzer Heilstätten werden saniert: Ins Denkmal kehrt wieder Leben ein

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LNSLNS Einst waren die Beelitzer Heilstätten südlich von Potsdam Therapie- und Erholungsort für lungenkranke Patienten der Landesversicherungsanstalt Berlin. Kurz nach der Jahrhundertwende kamen die ersten Patienten hierher, damals noch strikt nach Geschlechtern getrennt. Frauen wie Männer hatten ihre eigene Lungenheilanstalt und ihr separates Sanatorium. Selbst die Wirtschaftsgebäude waren so auf dem Gelände angeordnet, daß auf dem westlichen Teil fast nur Frauen, auf dem östlichen Teil fast nur Männer arbeiteten. Innerhalb weniger Jahre stieg die Bettenzahl in Beelitz von anfangs 600 auf rund 1 300. Auf dem zirka 200 Hektar großen Gelände entstanden nach und nach 60 Gebäude im englischen Landhausstil. Die Heilstätten wurden zum kleinen Städtchen mit eigener Landwirtschaft, Bäckerei, Fleischerei, Post, Hotel und Restaurant, idyllisch im Kiefernwald gelegen. In den Weltkriegen dienten die Heilstätten als Lazarett, und zwischen 1945 und 1991 waren sie Militärhospital und Soldatenunterkunft für die Rote Armee. Die Eheleute Honecker erhielten hier im April 1990 Unterkunft und lebten fast ein Jahr in Beelitz, bis sie die Sowjets im März 1991 von ihrem Luftwaffenstützpunkt Sperenberg bei Berlin nach Moskau brachten. Nach zwei Kriegen und fast einem halben Jahrhundert als Militärstützpunkt sind die Beelitzer Heilstätten heute in einem schlechten Zustand. Nicht alle Kriegsschäden sind behoben. Die große Lungenheilanstalt für Frauen etwa ist seit dem Krieg nur noch eine Ruine.
Seit 1994 steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz. Doch in das Denkmal kann wieder Leben einziehen. 2 500 bis 3 000 Menschen sollen hier wohnen, Dienstleistungsunternehmen und Gewerbebetriebe sich ansiedeln, 1 000 neue Arbeitsplätze entstehen. Für die neuen Bewohner der Heilstätten wollen die Investoren Ro-land Ernst und Anterra AG, seit Anfang 1995 Eigentümer der Heilstätten, 800 bis 900 Wohneinheiten in Apartmenthäusern, Einfamilienhäusern und Stadtvillen bauen. Gleichzeitig sollen die alten Gebäude weitestgehend erhalten bleiben: Roland Ernst und die Anterra AG wollen von den 80 000 Quadratmetern Geschoßfläche unter Denkmalschutz 70 000 Quadratmeter erhalten.


Neues Konzept
In einem Ideenwettbewerb unter Architekturstudenten sammelten die neuen Eigentümer Anregungen für eine Neugestaltung. Drei einzelne Studenten und 13 Gruppen reichten ihre Vorschläge ein. Prämiert wurden zwei Arbeiten der Technischen Universität Cottbus und eine der Hochschule für Architektur Weimar. Nach dem neuen Konzept werden in den Heilstätten künftig wieder Patienten ihre Krankheiten auskurieren: Die Investoren wollen Kliniken zur medizinischen Vorsorge, Behandlung und Rehabilitation bauen. Auf einer Schwesternschule sollen 180 Nachwuchskräfte in Krankenpflege, Physiotherapie und Altenpflege ausgebildet werden. Für Senioren sollen Altenstifte entstehen, daneben Projekte für betreutes Wohnen. Institute für Bildung, Forschung und Entwicklung sind geplant. AE

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