ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2001Metabolisches Syndrom: Weiteres Enzym fördert Übergewicht

AKTUELL: Akut

Metabolisches Syndrom: Weiteres Enzym fördert Übergewicht

Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3409 / B-2873 / C-2669

Koch, Klaus

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LNSLNS Mäßiges Übergewicht alleine ist kein allzu großes Gesundheitsproblem, erst bei einer Kombination mit Risikofaktoren wie Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen wird es wirklich bedenklich. Bemerkenswert ist deshalb, auf welche Weise US-Forscher die beim Menschen typische Kombination aus stammbetontem Übergewicht und metabolischem Syndrom in Tierversuchen an Mäusen induzieren konnten: durch die gesteigerte Produktion eines einzigen Enzyms im Fettgewebe der Tiere. Die Gruppe um Hiroaki Mazusaki und Jeffrey Flier von der Harvard Medical School in Boston beschreibt in „Science“, wie sie durch einen genetischen Eingriff dafür gesorgt hat, dass Fettzellen der Tiere größere Mengen des auch im menschlichen Körper vorhandenen Enzyms „11beta-HSD-1“ herstellten (2001; 294: 2166). Das Enzym produziert im Inneren der Mäusezellen gesteigerte Mengen eines Cortisol-ähnlichen Hormons.

Die erhöhte lokale Hormonproduktion genügte, um in männlichen Tieren für das metabolische Syndrom typische Stoffwechsel-Veränderungen zu induzieren, insbesondere wenn sie fettreich ernährt wurden: Der Appetit der Nager nahm zu; sie lagerten fast vierfach größere Mengen Fett im Bauchraum ab; Blutzuckerspiegel und Triglyceridspiegel im Serum stiegen um fast 50 Prozent; auch der Leptin-Spiegel stieg deutlich. Beim Menschen führt diese Form der Fettspeicherung zur (meist männlichen) „Apfel-Figur“, mit der ein deutlich höheres Diabetes-Risiko verbunden ist als mit der (meist weiblichen) „Birnen-Figur“, bei der der Speck unter der Haut auf Po und Hüfte lagert.

Tatsächlich sprechen auch erste Studien an Übergewichtigen dafür, dass die lokale Cortisol-Produktion im Fettgewebe durch das HSD-1-Enzym eine Rolle spielen könnte. Bereits im März demonstrierten schwedische Ärzte, dass übergewichtige Männer in ihren Fettpolstern ebenfalls größere Mengen der menschlichen Variante des HSD-1-Enzyms herstellen (Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2001; 86: 1418). Flier hofft nun, dass Medikamente, die das Enzym gezielt hemmen, dieser Form des Übergewichts und den damit verbundenen Stoffwechselstörungen vorbeugen könnten. Mehrere Pharmafirmen sind bereits auf der Suche nach Kandidaten. Klaus Koch
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