ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2001Disease-Management-Programme: Qualitätspartner

POLITIK

Disease-Management-Programme: Qualitätspartner

Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3418 / B-2872 / C-2552

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Barmer will ihre Chroniker-Programme in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickeln.

Mitte 2002 will die Barmer ihr erstes Disease-Management-Programm (DMP) – voraussichtlich zur Behandlung der Herzinsuffizienz – starten. Beim Aufbau der Programme setzt die größte Ersatzkasse auf Partnerschaft mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): „Das ist hier keine Frage des Machtkampfes um die Rolle in der Sicherstellung der medizinischen Versorgung“, betonte der Vorstandsvorsitzende Dr. Eckart Fiedler am 12. Dezember in Berlin. Die Behandlungsleitlinie für eine chronische Erkrankung und die daraus resultierenden medizinischen Parameter des Disease Managements müssten einheitlich für die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung festgelegt werden. Alle Ärzte, die die Qualitätsstandards erfüllten, sollten sich dann an den Programmen beteiligen dürfen. Einkaufsmodelle lehnte Fiedler strikt ab. Bei der Entwicklung der Qualitätsstandards und der Abwicklung der DMPs könnten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich unverzichtbar machen, meinte Fiedler. „Das ist eine echte Chance für die KVen.“
Dr. Manfred Richter-Reichhelm, KBV-Vorsitzender, begrüßte den „vorwärts gewandten Kurs“ der Barmer, bei der Entwicklung der DMPs die Qualität an die erste Stelle zu rücken. Auch die KBV wolle mit optimalen und transparenten Programmen die Versorgung der chronisch Kranken verbessern. Dabei dürfe die Qualität der Programme nicht zum Wettbewerbsfeld der Krankenkassen werden. Richter-Reichhelm: „Für uns Ärzte ist Qualität unteilbar.“ Der KBV-Vorsitzende betonte, dass die Einführung der Chroniker-Programme mit Einschränkungen für Ärzte und Patienten verbunden ist: Die Ärzte müssten ihre Behandlung an den vorgeschriebenen Leitlinien ausrichten und an Fortbildungen teilnehmen. Die Patienten verpflichteten sich, jene Ärzte aufzusuchen, die die Qualitätsstandards erfüllten. Dies könne durchaus den Wechsel des Hausarztes bedeuten.
Fiedler nannte sechs Bausteine des Disease Managements bei der Barmer:
- Ausrichtung an wissenschaftlichen Leitlinien. Einheitlich geltende, wissenschaftlich begründete Leitlinien sollen Entscheidungshilfen für Diagnostik, Therapie und Nachsorge des behandelnden Arztes sein.
- Vernetzung der Leistungssektoren. Durch stärkere Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, klare Definition der Schnittstellen, durchgängige Dokumentation und stringente Überweisungsroutinen will die Barmer Strukturdefizite beseitigen. Dabei komme dem Hausarzt eine Schlüsselposition zu.
- Stärkung der Patientenposition. Aufgabe der Krankenkassen soll es sein, die Compliance der chronisch kranken Patienten zu erhöhen. Dies könne beispielsweise durch Patientenschulungen oder Erinnerungsanrufe von Call-Centern geschehen.
- Kostenstabilisierung. Die Barmer rechnet mit einer kostenneutralen Ausgestaltung der DMPs. Mehrkosten, die durch den Abbau von Unterversorgung und ärztliche Zusatzhonorare denkbar seien, sollen durch den Abbau von Über- und Fehlversorgung kompensiert werden.
- Belohnung des Einsatzes für Qualität. Gemäß der RSA-Reform sollen Krankenkassen, die DMPs anbieten, mehr Geld für die Versorgung chronisch Kranker erhalten.
- Freiwilligkeit für alle Beteiligten. Ärzte und Patienten sollen sich freiwillig an DMPs beteiligen. Dazu müsse die notwendige Motivation geschaffen werden. Jens Flintrop
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