ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2001PET zur Stadieneinteilung und Therapiekontrolle bei Keimzelltumoren

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PET zur Stadieneinteilung und Therapiekontrolle bei Keimzelltumoren

Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3457 / B-2914 / C-2710

Wit, Maike de; Heicappell, Rüdiger; Bares, Roland

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LNSLNS Die Inzidenz der Keimzelltumoren (KZT) ist weltweit steigend. Die stärkste Zunahme ist in Skandinavien, Deutschland und Neuseeland zu verzeichnen; in Asien ist der Anstieg der Inzidenz am geringsten. In Deutschland treten Keimzelltumoren mit einer Häufigkeit von circa 6,5/100 000 Männer auf, sodass jährlich mit etwa 3 000 Neuerkrankungen gerechnet werden muss (7). Keimzelltumoren sind potenziell kurativ therapierbar (circa 90 Prozent). Selbst wenn die Krankheit bereits bei der Diagnosestellung disseminiert ist, kann eine Heilung durch eine Polychemotherapie gegebenenfalls mit anschließender Resektion von verbliebenem Restgewebe bei den meisten Patienten erzielt werden (4).
Die Lokalisations- und Artdiagnostik der Raumforderungen bei malignen Keimzelltumoren ist bedeutsam für die stadiengerechte Therapie, sowohl bei der Erstdiagnose als auch vor Resektion von Restgewebe nach Polychemotherapie (2). Die Sensitivität und Spezifität der konventionellen bildgebenden Verfahren ist jedoch unbefriedigend (5). So ist es nicht möglich, durch diese Methoden festzustellen, ob es sich bei einem Restbefund nach Polychemotherapie um einen vitalen malignen Tumor oder um avitales Gewebe handelt (6). Diese Differenzierung scheint nach den Ergebnissen bisheriger Studien mit der Positronen­emissions­tomo­graphie (PET) bei Tumoren möglich zu sein (3). Auch in frühen Stadien bei der Ausbreitungsdiagnostik ist mit der PET offenbar eine höhere Spezifität und Sensitivität erreichbar (1).
Um für beide Gruppen den tatsächlichen Stellenwert der PET zu erfassen, sind prospektive, kontrollierte Studien unabdingbar. Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe wurde 1999 in Deutschland eine Untersuchung begonnen, die zwei Patientengruppen umfasst.
Organisatorischer Ablauf der PET-Studie
Die erste Gruppe bilden die Patienten, die an nichtseminomatösen Keimzelltumoren in den Stadien I, IIA und IIB leiden und primär retroperitoneal lymphadenektomiert werden. In der zweiten Gruppe sind Patienten mit Keimzelltumoren im Stadium IIC oder III, bei denen Restbefunde nach Polychemotherapie verblieben sind, die operativ entfernt werden sollen. Diese Patienten werden prospektiv vor der retroperitonealen Lymphadenektomie beziehungsweise nach dem Ende der Polychemotherapie vor der Operation des Resttumors zusätzlich zu den konventionellen radiologischen Methoden und dem Tumormarkerprofil mittels PET untersucht. Die Histologie des gewonnenen Gewebes wird mit den Ergebnissen der Untersuchungen verglichen. Dabei erfolgt eine Auswertung getrennt für Patienten mit primärer Operation (Gruppe 1) und Patienten mit primärer Chemotherapie (Gruppe 2). Ziel der Studie ist es, den klinischen Nutzen der PET für die Diagnostik metastatischer Raumforderungen bei Keimzelltumoren zu untersuchen. Der Untersuchung wurde das Prädikat „Studie mit Empfehlung der Deutschen Krebsgesellschaft“ verliehen.
Seit 1999 wurden etwa ein Drittel der erforderlichen Patienten rekrutiert. Eine weitere, schnelle Rekrutierung ist erforderlich, um insbesondere zu klären, ob bei Restbefunden auf invasive operative Maßnahmen verzichtet werden kann. Zur besserer Einschätzung ist es notwendig, alle Patienten mit KZT, die auch außerhalb der Studie eine PET erhalten, an die Studienzentrale zu melden, um eine Patientenselektion zu vermeiden. Ausführliches Informationsmaterial ist von der Studienzentrale in Hamburg erhältlich.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2001; 98: A 3457 [Heft 51–52]

Literatur
1. Albers P, Bender H, Yilmaz H et al.: Positron emission tomography in the clinical staging of patients with
stage I and II testicular germ cell tumors. Urology 1999; 53: 808–811.
2. Bosl GJ, Motzer RJ: Testicular germ cell tumour. New Engl J Med 1997; 337: 242–253.
3. Cremerius U, Effert PJ, Adam G et al.: FDG-PET for
detection and therapy control of metastatic germ cell tumour. J Nucl Med 1998; 39: 815–822.
4. Debono DJ, Heilamm DK, Einhorn LH, Donohue JP:
Decision analysis for avoiding postchemotherapy surgery in patients with disseminated nonseminomatous germ cell tumors. J Clin Oncol 1997; 15: 1455–1464.
5. Fernandez EB, Moul JW, Foley JP, Colon E, McLeod DG: Retroperitoneal imaging with third and fourth generation computed axial tomography in clinical stage I nonseminomatous germ cell tumours. Urology 1994; 44: 548–552.
6. Steyerberg EW, Keizer HJ, Stoter G, Habbema JDF: Predictors of residual mass histology following chemotherapy for metastatic non-seminomatous testicular cancer: A quantitative overview of 996 resections. Europ J Cancer 1994; 30A: 1231–1239.
7. Weißbach L, Harstrick A, Bussar-Maatz R: Hodentumoren. In: Seeber S, Schütte J, eds.: Therapiekonzepte Onkologie. Berlin, Heidelberg: Springer 1995; 844–870.

Anschrift für die Verfasser:
Dr. med. Maike de Wit, Studienzentrale
Abteilung Onkologie und Hämatologie
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
E-Mail: pet.kzt@uke.uni-hamburg.de
Prof. Dr. med. Rüdiger Heicappell
Urologische Klinik
Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Freie Universität Berlin
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
E-Mail: Heicappell@medizin.fu-berlin.de
Prof. Dr. med. Roland Bares
Abteilung für Nuklearmedizin
Radiologische Universitätsklinik
Röntgenweg 13, 72076 Tübingen
E-Mail: Bares@uni-tuebingen.de
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