ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2001Atopisches Ekzem: Pimecrolimus reduziert den Bedarf an Cortison

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Atopisches Ekzem: Pimecrolimus reduziert den Bedarf an Cortison

Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3462 / B-2812 / C-2534

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Etwa vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem atopischen Ekzem (AE), für das synonym die Bezeichnungen Neurodermitis, endogenes Ekzem und Dermatitis atopica verwendet werden. Diese entzündliche Hauterkrankung ist gekennzeichnet durch nässende, blutig aufgekratzte, entzündlich gerötete Hautveränderungen. Sie verläuft chronisch über Jahre und Jahrzehnte und quält die Betroffenen durch psychisch sehr belastenden Juckreiz, wie auf einer Veranstaltung von Novartis im Rahmen der European Academy of Dermatology & Venerology in München berichtet wurde.
Obwohl das AE in jedem Lebensalter erstmals auftreten kann, beginnt es vorwiegend im Kindes- oder Jugendalter, häufig in der Säuglingszeit. Dann manifestiert sich die Erkrankung in 60 Prozent der Fälle bereits im ersten Lebensjahr. Nur bei etwa 40 Prozent der Betroffenen bilden sich die Symptome bis zum Erwachsenenalter zurück.
Zukünftige Therapieoption
Die Therapie des AE sollte stadiengerecht und individuell durchgeführt werden. Wichtig ist die kontinuierliche Basispflege und die Vermeidung von Triggerfaktoren. Das gilt auch für die nicht entzündete Haut. Dazu werden Salben, Emulsionen,
Cremes und Ölbäder eingesetzt. In Fällen einer leichten Hautentzündung kann eine Besiedlung mit Staphylococcus aureus vorliegen. Es sind dann lokal desinfizierende Maßnahmen mit Antiseptika erforderlich. Reichen diese nicht aus, ist eine systemische Gabe von penicillinasefesten Antibiotika sinnvoll. Bei Patienten mit Schlafstörungen durch anhaltenden Juckreiz sind sedierende H1-Antihistaminika indiziert.
Im akuten Schub der Erkrankung, gekennzeichnet durch gerötete, ekzematöse und stark juckende Haut, steht der Einsatz von topischen Corticosteroiden an erster Stelle. Sie seien in den vergangenen drei Jahrzehnten zu den wichtigsten Therapeutika beim AE avanciert, betonte Dr. Roger Allen (Nottingham). Sie provozieren jedoch eine Reihe unerwünschter Nebeneffekte wie Hautatrophie, Cushing-Syndrom und verschiedene unspezifische Langzeiteffekte. Bei Kindern sind außerdem Wachstumsverzögerungen zu befürchten. Corticosteroide sollten daher so kurz wie möglich und in der individuell angepassten Konzentration und Stärke angewendet werden.
Ein neues Dermatologikum wird den AE-Patienten in Zukunft das Leben leichter machen. Das Ascomycin-Derivat Pimecrolimus aus der Substanzklasse der Macrolactame zeigt einen ausgeprägten antientzündlichen Effekt. Wie Prof. Thomas A. Luger (Münster) berichtete, wirkt die Pimecrolimus-Creme (Handelsname Elidel®) insbesondere auf die T-Lymphozyten in der Haut und hemmt die Synthese von Zytokinen wie IL-2, IL-4, IL-10 und IFN-gamma. Außerdem unterdrückt die Substanz die Synthese von TNF-alpha und die Freisetzung präformierter Entzündungsmediatoren wie Serotonin und Hexosaminidase.
Wie klinische Studien zeigten, verschwindet der Juckreiz in der Regel eine Woche nach Therapiebeginn mit Pimecrolimus-Creme bei gut 70 Prozent der drei bis 23 Monate alten Kleinkinder vollkommen oder ist nur noch schwach vorhanden. Wurde die Creme bereits bei den ersten Anzeichen eines wieder auftretenden Ekzems oder Juckreizes aufgetragen, konnte bei rund 70 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder ein neuer Krankheitsschub verhindert werden. Während der sechsmonatigen Behandlungsdauer mit Pimecrolimus habe man auf die Anwendung eines Corticosteroid-Präparates verzichten können, berichtete Dr. Mark Goodfield (Leeds).
Inzwischen wurden 1 700 AE-Patienten mit Elidel behandelt. Alle profitierten von dem neuen Wirkstoff. Die topische Corticosteroid-Anwendung konnte ausgesetzt, die Rate der Krankheitsschübe drastisch gesenkt werden. Der häufigste unerwünschte Arzneimitteleffekt ist ein Wärmegefühl oder leichtes Brennen an der Auftragsstelle. Nach wenigen Behandlungstagen klingt diese Nebenwirkung jedoch ab. Sie wurde von rund zehn Prozent der Kinder angegeben.
Mit Pimecrolimus ist erstmals eine Behandlungsform verfügbar, die nachweislich den Langzeitverlauf eines AE günstig beeinflusst, indem die Häufigkeit von Ekzemschüben und der Bedarf an Corticosteroiden deutlich reduziert werden. Siegfried Hoc
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