ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2001Israel: Eigentlich eine Reise wert

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Israel: Eigentlich eine Reise wert

Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3463 / B-2919 / C-2715

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Überraschende Entdeckung in Ein Hod: ein Dada-Museum. Kinder können sich hier entfalten. Foto: Janco Dada-Museum
Überraschende Entdeckung in Ein Hod: ein Dada-Museum. Kinder können sich hier entfalten.
Foto: Janco Dada-Museum
Nicht nur als „Heiliges Land“ ist Israel ein ideales Reiseziel, doch zurzeit traut sich kaum jemand hin.


Eigentlich sollte das ein Bericht über Reisen im Norden Israels werden, doch die politischen Entwicklungen in den letzten Tagen und Wochen haben die gute Absicht konterkariert. An sich lohnt sich die Reise nach Haifa (mit der Tempelanlage der Bahai und der restaurierten „German colony“) und den Norden, der dem normalen Touristen meist unbekannt bleibt.
Der Berg Karmel ist in Wirklichkeit ein lang gestreckter Höhenzug oberhalb der Hafenstadt Haifa (www.tour-haifa.co.il). Auf den Höhen sieht es fast aus wie in einem Wildwestfilm, und tatsächlich kann man dort im Westernsattel durch eine strauchbewachsene Steppe reiten, im Hintergrund die Hochhäuser von Haifa. Ein ungewöhnliches Erlebnis, etwas für Touristen, doch die bleiben aus.
Das Künstlerdorf Ein Hod (www.actcom.co.il) ist gleichfalls etwas Einmaliges, wenn auch alles andere als westernlike. In einem früheren arabischen Dorf hat sich eine Künstlerkolonie aufgetan, in der Galerie hängen Gemälde unterschiedlicher Stilrichtungen, erstaunlich preiswert, trotz hoher Qualität.
Lyrik im weißen Anzug
In früheren Zeiten war Ein Hod ein beliebtes Ziel für den Tagesausflug. Heute lässt sich kein Reisender blicken – bis auf einen deutschen Dichter in weißem Anzug, der uns seine Lyrik vorliest.
Die alte Kreuzfahrerstadt Akko wird von den Israelis hervorragend restauriert. Allein die Gewölbe der Festung sind eine Reise wert. Die vielen kleinen Läden im Basar deuten darauf hin, dass Akko eigentlich ein beliebtes Touristenziel ist, doch niemand ist zu finden.
Die Beispiele ließen sich verlängern: Herrliche, leere Strände zwischen Haifa und Tel Aviv, in Strandnähe blumengeschmückte Gäste-Kibbuzim, wie der von Nahsholim (www.nahsholim.co.il), in denen lediglich Einheimische ihren Urlaub verbringen.
Im Sommer dieses Jahres hatte das Israelische Verkehrsbüro eine Hand voll Journalisten eingeladen, um ihnen zu demonstrieren, wie friedlich es im Norden des Landes zugehe. In der Tat war der Norden lange Zeit frei von terroristischen Anschlägen. Das hat sich inzwischen geändert, auch hier gibt es nun den ein oder anderen „blutigen Zwischenfall“.
Das Risiko, als Tourist in einen solchen verwickelt zu werden, ist zwar äußerst gering, doch „Statistik tröstet nicht“, bemerkt ein Tourismusexperte in Haifa. Dort verläuft das Leben von außen gesehen nach wie vor eher gelassen. Doch immer wenn wir, die kleine Besuchergruppe aus Deutschland, mit Israelis ins Gespräch kommen, sind wir nach wenigen Sätzen beim selben Thema: die politische Lage, die vermeintlich negative Berichterstattung über Israel in Deutschland, die Hoffnung auf Frieden, die allgemeine Ratlosigkeit.
Welch ein Unterschied gegenüber einer Israelreise vor wenigen Jahren, als der Friedensprozess zu einem guten Ende zu führen schien, als die Grenzen zu Jordanien geöffnet wurden und Peres und Arafat den Friedensnobelpreis bekamen – damals Aufbruchstimmung, Ideen und Zuversicht. Heute nichts davon.
Unterschiedliche Kulturen
Israel ist in der Tat zurzeit kein Reiseland für den Touristen, der besichtigen, am Strand liegen oder gut essen will. Das kann man natürlich, und zwar umständehalber ohne Warteschlangen, doch wird man mancherlei Sicherheitsvorkehrungen, etwa Eingangskontrollen vor Restaurants oder Einkaufszentren, in Kauf nehmen müssen. Für den normalen Touristen ist das einerseits beruhigend, andererseits beängstigend. Den ein oder anderen Individualtouristen wird es gleichwohl in dieses zerrissene Land locken. Er lernt eine Bevölkerung kennen, die seit zwei Generationen mit Kriegsfurcht umzugehen gelernt hat, die trotz allem einen normalen Alltag zu leben versucht und die Ängste des Besuchers nicht so ganz nachvollziehen kann. Israels Bevölkerung ist jung und geprägt von unterschiedlichen Kulturen und den Einwanderungswellen der letzten Jahrzehnte. Reste des alten Pioniergeistes sind noch zu spüren und schlagen sich
in unprätentiösem Verhalten und selbstbewußtem Auftreten nieder.
Der Vollständigkeit halber muss hier angemerkt werden, dass unsere kleine Besuchergruppe keinen Kontakt hatte zu Palästinensern, und sie hat sich auch nicht in palästinensischen Autonomiegebieten bewegen können. Denn bei allem Abenteurergeist, die sind zurzeit nichts für Touristen. Der Weg nach Bethlehem im Lande Juda, von dem wir im Weihnachtsevangelium lesen, ist durch Panzer versperrt. Norbert Jachertz

Informationen: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Bettinastraße 62, 60325 Frankfurt/Main,Telefon: 69/7 56 19 20, www.infotour.co.il, www.goisrael.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema