ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2002Antihypertensive Therapie: Nach wie vor mangelhaft

AKTUELL: Akut

Antihypertensive Therapie: Nach wie vor mangelhaft

Dtsch Arztebl 2002; 99(1-2): A-5 / B-5 / C-5

EB

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LNSLNS Eines der obersten Ziele der Deutschen Hochdruckliga ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse so zeitnah wie möglich in die klinische Praxis umzusetzen. Dass dieses Ziel zumindest für die antihypertensive Therapie bislang verfehlt wurde, signalisieren die Fakten. „Es ist nach wie vor erschreckend, dass immer noch drei Viertel der Hypertoniker auf unzureichende Werte eingestellt sind“, sagte Prof. Rainer E. Kolloch (Bielefeld) als Präsident der 25. Wissenschaftlichen Tagung der Deutschen Hochdruckliga/Deutsche Hypertonie-Gesellschaft. Ferner kritisierte Kolloch, dass nur höchstens 15 Prozent der Hypertoniker einen kontrollierten systolischen Blutdruck aufweisen. Gerade der systolische Wert steige mit dem Alter und sei nach gesicherter Datenlage ein maßgeblicher Prädiktor der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität. „Angesichts dieser Tatsache immer noch bagatellisierend vom so genannten Erfordernishochdruck zu sprechen ist ganz und gar nicht mehr zu dulden“, erklärte Kolloch in Bielefeld.

Von der konsequenten Normalisierung der isolierten systolischen Hypertonie profitieren ältere wie jüngere Patienten gleichermaßen, wie die mit einem Dihydropyridin-Calcium-Antagonisten durchgeführte SYST-EUR-Studie eindeutig zeigte. Werden hoch normale Werte zwischen 130 und 139 mm Hg systolisch gemessen, ist das kardiovaskuläre Risiko ebenfalls erhöht. Die Forderung, selbst solche Werte zu reduzieren, ist nach dem Urteil des Kongresspräsidenten als Provokation aufzufassen, denn dieses Ziel sei mit den derzeitigen therapeutischen Optionen in der Praxis in aller Regel nicht zu realisieren.

Nicht immer liegt es an der schlechten Compliance, wenn trotz langfristiger antihypertensiver Medikation die Zielwerte verfehlt werden. In solchen Fällen ist nach Angaben von Kolloch an eine Therapieresistenz zu denken, die von Schlafapnoe, starkem Übergewicht, Alkoholabusus und übermäßigem Kochsalzkonsum verursacht werden kann. Mangelhaftes Ansprechen auf Antihypertensiva könne auch durch die gleichzeitige Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika bedingt sein. Interaktionen mit diesen Substanzen führen zu einer Abschwächung der Wirksamkeit von Diuretika sowie Betablockern und können auf Dauer auch die Nierenfunktion verschlechtern. EB
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