ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2002Budgetierung: Informationsmöglichkeit vorhanden

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Budgetierung: Informationsmöglichkeit vorhanden

Dtsch Arztebl 2002; 99(1-2): A-34 / B-25 / C-25

Höffler, D.

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LNSLNS Im Beitrag las ich über die zweistelligen Zuwachsraten auf dem Arzneimittelsektor. Diese kommentierte Prof. Glaeske unter anderem dahingehend, dass eine erhebliche Zunahme der Verordnung neuer Arzneimittel erfolge, die keine wirklichen Innovationen darstellten. Das Problem sei, dass „es keine von Hersteller-, Krankenkassen- und Ärzteinteressen unabhängige Informationsmöglichkeiten“ gäbe.
Seit 1911 gibt es die Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). In ihr arbeiten ehrenamtlich unabhängige Ärzte, unterstützt durch eine Geschäftsstelle, die von der BÄK und der Bundes-KV finanziert wird. Berufspolitik spielt keine Rolle. Die AkdÄ bemüht sich um eine objektive Information zum Beispiel über die Frage, ob ein Arzneimittel eine Innovation oder eine Pseudoinnovation ist. Die Publikationsorgane sind mannigfaltig:
das Buch Arzneiverordnungen (19. Auflage, 1999), das Bulletin Arzneiverordnung in der Praxis (AVP), die Therapieempfehlungen (in Kürze als Buch zusammengefasst erhältlich), Mitteilungen und Bekanntgaben im Deutschen Ärzteblatt, Internet-Präsenz.
Sollte dies alles an Herrn Prof. Glaeske vorbeigegangen sein? Liest er kein „Deutsches Ärzteblatt“? In einem Punkt müssen wir ihm allerdings Recht geben: leider gelingt es uns infolge fehlender Mittel nicht, unsere Publikationen so weit zu streuen, wie wir das wünschen. So konnte bis Mitte der Neunzigerjahre AVP viermal im Jahr dem Ärzteblatt beigelegt werden und erreichte so alle Ärzte. Trotz eines anders lautenden Ärztetagsbeschlusses wurde dies aus Kostengründen eingestellt. Dafür erreichen 68 000 Exemplare der „Ärzte Zeitung“ die Leser (bezahlt werden 19 500 Stück). Das „Ärztliche Journal Reise und Medizin“ verkauft 620 Exemplare und versendet 51 600. Rund 500 Pharmaunternehmen schalten für 272,3 Mio. DM Anzeigen in Ärztezeitschriften. Für eine breite Streuung objektiver Informationen der verfassten Ärzteschaft gibt es kein Geld. Dann muss eben weiter unnötig teuer verordnet werden! Wem die Ausgabe für ein Sparschwein zu hoch ist, muss alles verjubeln.
Prof. Dr. med. D. Höffler, Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Rappsmühlenstraße 10, 64331 Weiterstadt
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