ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2002Neues Antibiotikum: Einsatzort für Linezolid ist die Klinik

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Neues Antibiotikum: Einsatzort für Linezolid ist die Klinik

Dtsch Arztebl 2002; 99(1-2): A-62 / B-54 / C-54

Nickolaus, Barbara

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LNSLNS Grampositive Bakterien sind heute mit mehr als 50 Prozent die Urheber nosokomialer Infektionen, Tendenz steigend. Nach 35 Jahren ist mit dem ersten Vertreter der Oxazolidinone (Wirkstoff: Linezolid, Zyvoxid®/Pharmacia) wieder eine neue Antibiotika-Klasse auf den Markt gekommen. Zyvoxid wirkt gegen grampositive Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken) sowie gegen multiresistente Keime.
In den USA sind Oxazolidinone seit April 2000 zugelassen. Nach Großbritannien, einigen südamerikanischen und asiatischen Ländern erfolgte für Deutschland die Zulassung im Oktober. Die Standarddosierung liegt bei zweimal 600 mg/die. Darreichungsformen sind Fertiginfusionsbeutel, Tabletten und Suspensionen. Bei mehr als 100 000 Patienten ist das Präparat in Kliniken Großbritanniens und der USA eingesetzt worden.
Haut- und Weichteil-Infektionen
In Europa ist Zyvoxid für stationär aufgenommene Patienten mit der Indikation nosokomiale Pneumonie, ambulant erworbene Pneumonie, Haut- und Weichteilinfekte, ausgelöst von grampositiven Bakterien und für die ambulante Weiterbehandlung der in der Klinik vorbehandelten Erkrankungen zugelassen.
Bei einem Symposium in Berlin erklärte Prof. Bernhard Ruf (Leipzig), Linezolid zeige einen neuen Wirkungsmechanismus, indem es die bakterielle Proteinbiosynthese in einem sehr frühen Stadium blockiert; das heißt, bereits die Bildung eines Komplexes, der die Proteinsynthese einleitet, verhindert. Er wies auf die zunehmende Resistenz der grampositiven Bakterien hin. So tritt immer häufiger der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), der selbst auf Vancomycin nur noch unzureichend reagiert, in Intensivstationen auf. Als positiv bewertete er, dass Linezolid keine Kreuzresistenz mit anderen derzeit bekannten Antibiotika aufweist, die Resorption der Tabletten zu 100 Prozent erfolgt, sodass ein Wechsel von der i. v. auf die orale Darreichungsform keine Belastung für den Patienten darstellt, eine Dosisanpassung bei Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz nicht notwendig ist, das Zytochrom-P-450-System nicht tangiert wird. Linezolid wirkt auch bei multiresistenten Keimen.
Prof. Toni Hau (Sande) berichtete über die Wertigkeit von Zyvoxid bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen, bei denen überwiegend ein chirurgisches Vorgehen indiziert ist. Die Antibiotika-Therapie sei unabdingbar zum Beispiel bei Streptokokken-Phlegmone oder Streptokokken-Gangrän. Mit einer besonders hohen Letalität seien Infektionen infolge Staphylococcus aureus belastet. Da Zyvoxid sich in hoher Konzentration im Haut- und Weichteilgewebe befindet, ist es gerade für Infektionen in diesem Bereich besonders effektiv.
In einer Phase-III-Studie an 800 Patienten wurde Zyvoxid mit Oxacillin und Dicloxacillin verglichen. Zyvoxid erwies sich gleich wirksam wie die Penizilline, jedoch kam es unter Linezolid seltener zum Therapieabbruch wegen wirkstoffbedingter Nebenwirkungen. Als Nebenwirkungen traten Diarrhö, Kopfschmerz, Übelkeit, Geschmacksveränderungen in meist milder Form auf. Bei MRSA-Infektionen wies Linezolid mit 77 Prozent die gleiche Erfolgsrate wie Vancomycin auf. Bei Vancomycin-resistenten Enterokokken lag die Erfolgrate bei 88 Prozent. Besonders betonte Hau das Ergebnis einer multizentrischen randomisierten Phase-III-Studie an 460 MRS-Patienten. Es zeigte sich, dass Patienten, die mit Vancomycin behandelt wurden, nach 16 Tagen aus der stationären Behandlung entlassen werden konnten, bei Zyvoxid hingegen bereits nach acht Tagen.
Mit der zweithäufigsten aller nosokomialen Infektionen, der Pneumonie, befasste sich Prof. Dr. Hartmut Lode (Berlin). Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa sind die Hauptverursacher. In 40 bis 70 Prozent führt die Erkrankung zum Tod. Da Zyvoxid sich im Lungengewebe anreichert – die Konzentration in der Lungenepithelflüssigkeit ist viermal höher als die Konzentration im Plasma –, wirkt Linezolid spezifisch bei nosokomialen Pneumonien. Bei Vergleichen mit Vancomycin ergab sich eine gleichermaßen effektive Wirkung und vergleichbare Verträglichkeit.
Beatmete Pneumoniepatienten hatten eine höhere Heilungsrate als unter Vancomycin. Auch am Vergleich mit Cephalosporinen zeigte sich bei Patienten mit Bakteriämie und Pneumokokken-Pneumonie eine höhere Heilungsrate unter Zyvoxid. Die Therapiedauer bei der nosokomialen Pneumonie liegt bei circa sieben bis zehn Tagen.
Dr. Barbara Nickolaus
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