VARIA: Personalien

Franz Carl Loch †

Dtsch Arztebl 2002; 99(1-2): A-65 / B-53 / C-53

R., E.

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Franz Carl Loch. Foto:Julius C. Schmidt
Franz Carl Loch. Foto:Julius C. Schmidt
Mit allerletzter Kraft hat Franz Carl Loch am 3. Dezember im Haus der Ärzte in Saarbrücken eine kleine Feierstunde erlebt, in der ihm der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Tischrin-Lattakia (Syrien), Professor MD Ibrahim Souleyman, die Ehrendoktorwürde verlieh, Anerkennung der langjährigen Unterstützung der deutsch-syrischen Ärztekongresse und der nachhaltigen Förderung der Fortbildung syrischer Ärzte in Deutschland. Der Pastor, der den Bericht darüber in der Zeitung gelesen hatte und dem Geehrten gratulieren wollte, kam zurecht zum letzten Segen. Nach zweijähriger Leidenszeit, immer wieder gemildert und erhellt durch Kunst und Engagement der behandelnden saarländischen Ärzte und die aufopferungsvolle Pflege durch seine tapfere Frau Heidi, Kollegin, ist Franz Carl Loch am 12. Dezember gestorben.
F. C., wie ihn alle seine Freunde nannten, war am 11. Oktober 1924 in Dudweiler/ Saar zur Welt gekommen; das ist heute ein Stadtteil von Saarbrücken, in dem Franz Carl Loch nach seinen Lehr- und Wanderjahren bis zuletzt wohnte und in dem er jetzt zu Grabe getragen wurde.
Im Mittelpunkt: der Beruf
Solange er studierte, an den Universitäten Berlin, Innsbruck, Prag und Frankfurt am Main, wo er 1948 das medizinische Staatsexamen ablegte und 1949 zum Dr. med. promoviert wurde,
– solange er die Weiterbildung absolvierte (unter anderem bei Paul Martini, Bonn; Karl J. Matthes, Ludolf-Krehl-Klinik Heidelberg; Erich Krauss, Knappschaftskrankenhaus Sulzbach; Hans Hochrein, Med. Klinik des Städtischen Krankenhauses Ludwigshafen, schließlich bei seinem besonders verehrten Mentor Gerhard Theising, HNO-Klinik Städt. Krankenhaus Ludwigshafen, dem späteren Ordinarius in Erlangen),
– solange er nach der Anerkennung als Arzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde durch die Ärztekammer des Saarlandes 1953 als Niedergelassener praktizierte und gleichzeitig als Leitender Arzt einer großen Belegabteilung fungierte,
– immer war die Medizin, war der ärztliche Beruf Mittelpunkt, Schwerpunkt eines aktiven Lebens in ständiger Rufbereitschaft.
Rastloses Arbeitsleben
Ein Arbeitsleben wie dieses führen unzählige Ärzte in Deutschland; aber was F. C. Loch noch darauf packte, war und ist außergewöhnlich. Der Minderheit in der Ärzteschaft, die sich durch ehrenamtliches, bürgerschaftliches, berufspolitisches Engagement auszeichnet, wird von den Kollegen immer wieder Neues, Weiteres, Zusätzliches aufgelastet. Bei Franz Carl Loch führte das zu rastlosem, unaufhörlichem Hasten von der Erfüllung einer Pflicht zur anderen. Einzige Möglichkeit, aus solchem Alltag auszubrechen: Reisen, mit Freunden, mit Kollegen und bis zuletzt mit seiner jungen Frau.
„Voller Einsatz“, das war ja eine Erziehungsparole seiner Jugend und seiner Adoleszenz (in Krieg und Krankenhaus), kein Wunder, dass er sich von der ersten Stunde der Niederlassung an in der ärztlichen Berufspolitik engagierte, in allen relevanten Gremien der saarländischen Ärzteschaft, die ihn schon 1962 zum Vizepräsidenten der Ärztekammer wählte, 1986 zum Präsidenten. Mehrfach wiedergewählt, gab er dieses Amt nach rund 37 (!) Jahren verantwortungsvollen Wirkens an der Spitze einer Lan­des­ärz­te­kam­mer Mitte 1999 in jüngere Hände. Seither: Ehrenpräsident.
Vorbildliche Fortbildung
An der Saar wird man nicht vergessen, was F. C. Loch dort Besonderes geleistet hat:
Die flächendeckende ärztliche Fortbildung im Saarland, an der die Medizinische Fakultät Homburg/Saar maßgeblich beteiligt ist, gilt dank seiner Anstrengungen seit Jahrzehnten als vorbildlich. Erinnert sei auch an seine Verdienste um den Berufsstand der Zahnärzte, der nach dem Zweiten Weltkrieg im – aus dem „Reich“ ausgegliederten – Saarland mit dem ärztlichen Berufsstand unter dem Dach einer gemeinsamen Ärztekammer organisatorisch vereinigt wurde.
Auf Bundesebene und ab 1986 als Präsident einer Lan­des­ärz­te­kam­mer BÄK-Vorstandsmitglied) entfaltete Franz Carl Loch seine Aktivitäten vor allem in der Fortbildung, insbesondere im Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung (einem Fachausschuss der Bundes­ärzte­kammer), dessen stellvertretender Vorsitzender er seit 1973 und Vorsitzender von 1983 an war (seit 1995 Ehrenvorsitzender). Hier war seine Aufgabe: qualitative Verbesserung der Fortbildung aller Ärzte in Praxis und Klinik durch qualifizierte Fortbildungsangebote.
Sein persönlichster Beitrag zur ärztlichen Fortbildung: das von ihm in Auftrag der Bundes­ärzte­kammer in mehrfacher Auflage im Deutschen Ärzte-Verlag herausgegebene Nachschlagewerk „Notfallmedizin nach Leitsymptomen“ und eine von ihm im „Saarländischen Ärzteblatt“ initiierte und redigierte, in Fachzeitschriften des In- und Auslandes verbreitete systematische Artikelserie „Notfallmedizin in Stichwörtern“.
Der immaterielle Lohn
Hohe Achtung und Anerkennung der Kollegen und Kolleginnen sind wesentlicher Lohn für die Ehrenamtlichen, Titel und Orden eine andere immaterielle Belohnung durch Institutionen, die solche verleihen können. Die Vielzahl der Ehrungen, die Franz Carl Loch zu Lebzeiten erfuhr, entspricht der Vielfalt seiner Aktivitäten.
Die Regierung des Saarlandes machte den Anfang, verlieh 1980 den Ehrentitel Sanitätsrat; der saarländische Minister für Kultur, Bildung und Sport ernannte F. C. Loch auf Vorschlag der Medizinischen Fakultät Homburg/ Saar 1983 zum Honorarprofessor.
Der Bund folgte: 1985 Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 1997 Großes Bundesverdienstkreuz.
Die Kollegenschaft ehrte ihn beim 103. Deutschen Ärztetag 2000 in Köln mit der höchsten Auszeichnung, die die deutsche Ärzteschaft zu vergeben hat: der Paracelsus-Medaille.
Gradlinig, hilfsbereit, kämpferisch
Doch dies alles sind Äußerlichkeiten. Franz Carl Lochs Kollegen, seine Freunde, seine Patienten werden den offenen, gradlinigen, stets hilfsbereiten Menschen in guter Erinnerung behalten – und viele auch den kämpferischen Mann (nicht nur auf dem Fußballplatz bis ins hohe Alter ein „harter Knochen“): Auch im Abwehrkampf, den die Ärzteschaft in den Siebzigerjahren gegen den damaligen massierten Versuch eines linksideologischen Umsturzes des freiheitlich-sozialen Gesundheitswesens zu bestehen hatte, war F. C. Loch einer der treuesten, der aktivsten Verteidiger der ärztlichen Selbstverwaltung. E. R.
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