ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Interdisziplinäres Forum: Von Relevanz

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Interdisziplinäres Forum: Von Relevanz

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A-69 / B-57 / C-57

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Das Interdisziplinäre Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundes­ärzte­kammer in Köln hat nicht nur medizinische, sondern auch gesellschaftspolitische Relevanz. So befasste die Tagung sich beispielsweise mit der aktuellen Debatte um die medikamentöse Behandlung hyperaktiver Kinder. Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt forderte eine sorgfältige Untersuchung der Kinder nach einem standardisierten Diagnoseverfahren. Nur so lasse sich vermeiden, dass Ärzte und Eltern in den Verdacht gerieten, unruhige Kinder einfach ruhig stellen zu wollen.
Beispiel zwei: Mehrere Millionen Patienten leiden in Deutschland an chronischen Schmerzen. Auch wenn es keine „Patentlösungen“ bei der Therapie gebe, könne durch einen Ausbau der Palliativmedizin, eine verbesserte Prophylaxe und eine frühzeitige Therapie akuter Schmerzen schon viel erreicht werden, sagte Prof. Dr. med. Heyo Eckel, Göttingen.
Drittens: Von weitreichender Bedeutung ist die (beinahe abgeschlossene) Sequenzierung des menschlichen Genoms. Darauf wies Prof. Dr. med. H.-Hilger Ropers, Berlin, hin. Von der Erstellung eines umfassenden Katalogs aller vorkommenden Varianten in der menschlichen DNS-Sequenz von Gesunden und Kranken erhoffe man sich Aufschlüsse zur Identität und Funktion der genetischen Faktoren, die für Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs prädisponieren, so Ropers. Doch zu übertriebenen Hoffnungen bestehe kein Anlass: „Das Ziel liegt noch in weiter Ferne.“ Die diagnostische Bedeutung der genetischen Faktoren werde oft überschätzt, „und es bleibt abzuwarten, ob wir wirklich in zehn Jahren über prädiktive Tests für viele häufige Krankheiten verfügen werden, wie behauptet worden ist – und ob wir dies wollen“.
Wenn ja, dann sollte auf jeden Fall beherzigt werden, was auch der Arbeitskreis medizinischer Ethikkommissionen kürzlich gefordert hatte: Das Recht auf Nichtwissen muss in gleicher Weise wie
das Recht auf Wissen gewährleistet sein. Gisela Klinkhammer
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