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Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A-85 / B-71 / C-70

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Dr. rer. nat. Ludwig Aigner, Nachwuchsgruppenleiter der Universität Regensburg, VW-Stiftung. Foto: privat
Dr. rer. nat. Ludwig Aigner, Nachwuchsgruppenleiter der Universität Regensburg, VW-Stiftung. Foto: privat
DÄ: Herr Aigner, wird die Transplantation von adulten neuralen Stammzellen die Therapie der Zukunft bei neurologischen Erkrankungen sein?
Aigner: Neurale Stammzellen des adulten Nervensystems werden sicherlich nicht das Allheilmittel sämtlicher neurologischer Erkrankungen sein. Ihr Einsatz wird sich primär auf neurodegenerative Erkrankungen, wie den Morbus Parkinson oder entzündliche Erkrankungen, wie die multiple Sklerose, beschränken. Die derzeitigen Therapien versuchen lediglich den Zellverlust zu vermindern oder den Verlust von Neurotransmitterstoffen zu kompensieren. Stammzelltherapien hingegen zielen auf einen zellulären Ersatz ab.

DÄ: Die adulten neuronalen Stammzellen bieten einige Vorteile: Sie sind ohne ethische Bedenken verfügbar und werden nach autologer Transplantation nicht vom Organismus abgestoßen. Ist es da überhaupt nötig, menschliche embryonale Stammzellen zur Züchtung von Zellersatz einzusetzen?
Aigner: Bei dem derzeitigen Wissensstand sollen und müssen beide Zelltypen gleichwertig und intensiv zunächst im Tierexperiment auf ihr therapeutisches Potenzial und auf ihr Risiko getestet werden. Erst dann kann einer Zellpopulation der Vorzug für die klinische Anwendung gegeben werden. Die adulte Stammzellforschung profitiert auf jeden Fall von den Kenntnissen, die an embryonalen Zellen gewonnen worden sind, da die Regulationsmechanismen, die die Proliferation und Differenzierung kontrollieren, vergleichbar sind.

DÄ: Welches sind die größten Hindernisse bis zum klinischen Einsatz von adulten Stammzellen?
Aigner: Derzeit ist der Einsatz primär durch die noch unzureichenden Zellkulturbedingungen limitiert. Im Gegensatz zu ES-Zellen vermehren sich adulte Stammzellen nur ungenügend. Wir müssen noch Wege finden, die Zellproliferation zu steigern, um aus einer möglichst kleinen Biopsie in relativ kurzer Zeit möglichst viele neurale Stammzellen zu züchten.

DÄ: In welchem Zeitraum könnten die Therapiestrategien umgesetzt werden?
Aigner: Mit einer auf adulte neurale Stammzellen basierenden Zellersatztherapie kann sicherlich nicht in den nächsten fünf Jahren gerechnet werden. Ein Zeitraum von zehn Jahren ist eher realistisch.
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