ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Radiologische Diagnostik polytraumatisierter Patienten: Zeitlicher Ablauf der Diagnostik

MEDIZIN: Diskussion

Radiologische Diagnostik polytraumatisierter Patienten: Zeitlicher Ablauf der Diagnostik

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A-134 / B-111 / C-108

Firsching, Raimund; Woischneck, Dieter

zu dem Beitrag Management unter Verwendung der Ganzkörper-Spiral-Computertomographie von Dr. med. Roland Löw Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Düber Dr. med. Karl-Friedrich Kreitner Dr. med. Jochen Blum Prof. Dr. med. Pol Maria Rommens Dr. med. Franz Schweden Prof. Dr. med. Manfred Thelen in Heft 26/2001
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zu dem Bemühen, die schwierige Frühbehandlung Schwerstverletzter, in der es zu Dringlichkeitskollisionen kommt, effizienter zu machen, darf man gratulieren. Es ist nur beizupflichten, dass die wesentlichen Untersuchungen bei Schwerstverletzten am besten im Spiral-CT erfolgen, da dies schneller und qualitativ besser ist als konventionelle radiologische Methoden. Mit Recht wird darauf verwiesen, dass die hierfür erforderliche Untersuchungszeit von 30 Minuten wesentlich kürzer ist, als was mit konventionellen Untersuchungsmethoden inklusive Sonographie des Abdomens und Thorax möglich ist. Es wird jedoch von den Autoren versäumt, darauf hinzuweisen, wann außer bei instabilem Kreislauf auch eine Untersuchung von 30 Minuten nicht vertretbar lang ist. Bei Patienten mit stabilen Kreislaufverhältnissen, die im Computertomogramm ein intrakraniell raumforderndes Hämatom aufweisen, verbietet sich die hier empfohlene weitere Diagnostik, da 30 Minuten für ein Spiral-CT des gesamten Körpers nach Anfertigung eines Schädel-CT’s mit Nachweis einer operationspflichtigen intrakraniellen Blutung unter keinen Umständen zu rechtfertigen wäre.
In einer zurzeit laufenden Multicenterstudie zum Polytrauma mit Unterstützung des Kuratoriums ZNS, an dem 14 neurochirurgische Einrichtungen beteiligt sind, wird gerade der frühe zeitliche Ablauf der Diagnostik analysiert. Betrachtet man nur die bewusstlosen Patienten, so finden sich operationspflichtige Blutungen des Abdomens in weniger als 10 Prozent der Verletzten, Blutungen oder Luftansammlung innerhalb des Thorax, die behandlungspflichtig sind, ebenfalls in weniger als 10 Prozent, intrakranielle Verletzungen in 40 Prozent, von denen 20 Prozent eines neurochirurgischen Eingriffes bedürfen. Da der Zeitfaktor hier von übergeordneter Bedeutung ist, gilt bei kreislaufstabilen bewusstlosen Patienten mit Verdacht auf Polytrauma, dass zunächst ein Schädel-CT angefertigt wird. Eine weitere Untersuchung des Körpers im Spiral-CT sollte nur dann stattfinden, wenn kein intrakraniell operationspflichtiger Befund vorliegt. Wenn diese Vorgehensweise mit dem Begriff „one stop shopping“ gemeint sein soll, so kann dem zugestimmt werden.

Prof. Dr. med. Raimund Firsching
Dr. med. Dieter Woischneck
Klinik für Neurochirurgie
Medizinische Fakultät
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
E-Mail: neurochirurgie@uni-magdeburg.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema