ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Documenta11: Begegnung von Kunst und Politik

VARIA: Feuilleton

Documenta11: Begegnung von Kunst und Politik

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A-135 / B-112 / C-109

Rattemeyer, Christian

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LNSLNS Mit vier Plattformen wird die Ausstellung in Kassel vorbereitet.

Die erste documenta, die der Kasseler Maler und Akademieprofessor Arnold Bode im Jahre 1955 ins Leben rief, wurde zu einem unerwarteten Welterfolg. Der Ausstellung, die als Beiprogramm zur im gleichen
Jahr in Kassel ausgetragenen Bundesgartenschau realisiert werden konnte, lag ein historisch-dokumentarischer Anspruch zugrunde: Gezeigt wurde die Entwicklung der bedeutenden Kunstrichtungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts: Fauvismus, Kubismus, Futurismus, Expressionismus, Blauer Reiter; die Klassische Moderne in allen ihren europäischen Verflechtungen. Zugleich ging es den Gründern um Fragen der ästhetischen Lebensfähigkeit der Künste sowie um ein soziales und politisches Weiterleben.
Keine künstlichen Trennungen
Seit der Gründung im fünfjährigen Turnus durchgeführt, stellt sich auch die nächste documenta in die Tradition ihrer Vorgängerinnen, die jede auf ihre Art innovativ war. Die Documenta11, die unter der künstlerischen Leitung von Okwui Enwezor vom 8. Juni bis 15. September in Kassel stattfindet, führt das Konzept der vorangegangenen documentaX, eine Verbindung zwischen Kunst und Diskurs zu finden, fort und knüpft an die Intention der ersten documenta an, die sich zehn Jahre nach Kriegsende nicht allein auf einen ästhetischen Standpunkt stellen konnte.
So ist es ein zentrales Anliegen der Documenta11 zu fragen, wie die Begegnung von Kunst, Kultur und Politik gewährleistet werden kann, ohne dabei jene ästhetischen Anliegen einzuengen, die für die Sprache und die Rezeption zeitgenössischer Kunst kennzeichnend sind. Im Zentrum steht dabei das Schaffen von diskursiven Orten, an denen Themen behandelt und Fragen zur Sprache kommen, die für das Verständnis künstlerischer Arbeit gegenwärtig von Bedeutung sind. Die Documenta11 besteht daher aus fünf so genannten Plattformen, die untereinander in Bezug stehen und jede für sich ein bestimmtes Thema behandeln. Vier Plattformen, in Wien und Berlin (März/April beziehungsweise Oktober), in Neu Delhi/Indien (Mai), auf den Westindischen Inseln (Januar 2002) und in Lagos/Nigeria (März 2002) führen so auf die abschließende Plattform hin – die Ausstellung in Kassel.
Zwischen ihnen gibt es keine künstlichen Trennungen, doch sind sie von jeweils eigenen Konzeptionen bestimmt, die jede Plattform für sich zum Ort eines wichtigen internationalen, kritischen Diskurses machen. So wurde in Wien und Berlin über zeitgenössische Perspektiven von Demokratie im Zeitalter der Globalisierung diskutiert und in Neu-Delhi das aktuelle Phänomen von sich wandelnden Rechtssystemen thematisiert, wie sie zum Beispiel in Südafrika, dem früheren Jugoslawien, aber auch im Deutschland der Wiedervereinigungszeit zu beobachten waren. Die beiden folgenden Plattformen widmen sich den Fragen der kulturellen Mischung am Beispiel des Begriffs des Kreolismus (St. Lucia, westindische Inseln) und den aktuellen urbanen Bedingungen in afrikanischen Städten (Lagos). So werden Themenschwerpunkte und Diskussionsfelder angesprochen, die nicht allein für die zeitgenössische Gesellschaft, sondern auch für die aktuelle Kunst von Relevanz sind. Die Ausstellung in Kassel stellt die abschließende fünfte Plattform dar, die Arbeiten von etwa hundert internationalen Künstlern versammelt. Christian Rattemeyer
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