ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Kreditvergabe: Intensivere Prüfung

VARIA: Wirtschaft

Kreditvergabe: Intensivere Prüfung

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A-137 / B-115 / C-111

Vetter, Michael

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Bankexterne Ratings zur Kreditwürdigkeit sollen auch bei Praxiskrediten obligatorisch werden.


Fest steht: Kommt es in den nächsten Jahren tatsächlich – wie Experten prognostizieren – zu einer Rating-Schwemme, so werden vor allem die Rating-Agenturen zu den finanziellen Gewinnern zählen. Ob dies auch für den jeweils betroffenen Arzt gilt, ist zu bezweifeln.
Neben den vor Kreditvergaben bereits üblichen internen Kreditwürdigkeitsprüfungen der Banken sollen künftig auch externe Rating-Agenturen (to rate = einschätzen) Analysen zur Kreditwürdigkeit (Bonität) vor allem mittelständischer Unternehmer und damit eben auch Ärzten durchführen. Diese Ratings sollen dem Bankkunden neben günstigeren Finanzierungskosten auch zu einem besseren Image verhelfen. Grundlage dieser Überlegungen ist das „Konsultationspapier“ des „Basler Ausschusses“.
Der „Basler Ausschuss“, dem hochrangige Bankenvertreter angehören, soll der zuständigen Bankenaufsicht vorschlagen, risikoreiche Kredite durch die Kredit gebenden Banken mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Da diese Eigenkapitalbeschaffung den Banken nicht leicht fallen wird, muss dann beispielsweise ein Arzt damit rechnen, genauer „unter die Lupe“ genommen zu werden. Ärzte mit einer unterdurchschnittlichen Kreditwürdigkeit müssen im Einzelfall mit höheren Zinssätzen oder sogar mit Kreditablehnungen rechnen.
Ratings sind in einem anderen Zusammenhang bereits seit Jahrzehnten üblich: Bekannte Rating-Agenturen wie Standard und Poor’s oder Moody’s beurteilen die Kreditwürdigkeit beispielsweise von staatlichen Schuldnern sowie von Großunternehmen, die ihren Finanzierungsbedarf an den nationalen und internationalen Geld- und Kapitalmärkten decken. Externe Ratings für den Mittelstand sind bisher nicht üblich.
Zu Recht wird derzeit von mittelständischen Unternehmern und auch Freiberuflern hinterfragt, ob und in welchem Umfang ein externes Rating sinnvoll ist. Immerhin sind die Kosten erheblich; diese belaufen sich auf etwa 2 500 bis 5 000 A je Kreditprüfung. Dabei gibt es keine Garantie, dass ein überdurchschnittliches Rating mit der Einschätzung der Kreditwürdigkeit durch die Hausbank übereinstimmt. Kenner der Branche weisen darauf hin, dass sich schon aufgrund des Selbstverständnisses der Kreditabteilungen der Banken eine Konkurrenzsituation zu den privaten Rating-Anbietern ergeben werde – Konfliktpotenzial, auf das die Banken rechtzeitig reagieren müssen, um ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Hinzu kommt, dass Kunden mit erstklassiger Bonität auch künftig nicht hinnehmen werden, überflüssige „Co-Ratings“ teuer zu bezahlen. Kunden mit eher geringer Bonität wird auch ein externes Rating kaum helfen, Kreditgeber zu einer höheren Finanzierungsbereitschaft zu bewegen. Dies gilt umso mehr, als bei professioneller Arbeit eine externe Ratingagentur kaum zu einem anderen Ergebnis kommen wird als der Kreditsachbearbeiter der Bank.
Ärzte sollten sich nicht nur am Rande mit den Entwicklungen der Rating-Problematik befassen, sondern ihre Meinung in Berufsverbänden deutlich formulieren. Tun sie nichts, besteht die Gefahr, von der Entwicklung mit ihren finanziellen Folgen überrollt zu werden. Michael Vetter
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