ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1996Das Kinojahr 1996: Von Hamlet bis Nixon

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Das Kinojahr 1996: Von Hamlet bis Nixon

Oßwald, Dieter

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LNSLNSLNSLNS Seinem "Pulp-fiction"-
Comeback sei Dank, ist Ex-"Saturday-night"-Tänzer Travolta im neuen Jahr gleich dreifach leinwandpräsent: im Action-Epos "Broken Arrow" mimt er einen bombenden Bösewicht, danach kommt er in "Phänomen" übersinnlich intelligent daher, um in "Schnappt Shorty" schließlich einen kleinen Mafioso zu spielen, der seine Liebe zum Film entdeckt. Kultfilmer Quentin Tarantino präsentiert mit "Four Rooms" vier Silvester-Geschichten in einem abgehalfterten Hollywood-Hotel. "Pate" Francis Coppola kommt komödiantisch daher und führt Robin Williams in "Jack" als zwölfjähriges Kind (!) vor, derweil Robert Redford mit "Little Tree" ein Drama zur Zeit der 30er-JahreRezession inszeniert. Cineasten-Papst Martin Scorsese kümmerte sich in "Casino" ums Mafia-Milieu in Spielbanken, freilich nicht ohne seinen Hausakteur Robert de Niro. Oliver Stone poliert sein Politfilmer-Image: nach "JFK" erzählt er in "Nixon" erneut eine Präsidenten-Biographie – wogegen die Nixon-Töchter bereits lautstark protestierten.
Nach dem Erfolg von "Seven" starten nun noch mehr Serienkiller im Kino: Da jagt Sigourney Weaver in "Copycat" einen Massenmörder, "Killer" berichtet vom ersten US-Serienmörder, und "Exorzisten"-Macher William Friedkin erzählt aus den Tagebüchern von "Jack the Ripper".
Statt der diversen Fortsetzungen vom Vorjahr heißt der neue Trend nun Wiederverfilmungen: das halbe Dutzend Remakes reicht von der "Insel des Dr. Moreau" über "Lolita" bis "Tom Sawyer". Stephen Frears präsentiert eine "Dr.-Jekyll-Mister-Hyde"-Version aus weiblicher Sicht, Eddie Murphy wandelt als "Der verrückte Professor" in den Fußstapfen von Jerry Lewis, während Robin Williams im "Käfig voller Narren" auftritt.
Klassiker haben gleichfalls Konjunktur: mit "Hamlet", "Romeo und Julia", "Othello" und "Richard 3" entpuppt sich Shakespeare als neuer Skript-Star der Traumfabrik. Außerdem gibt es einen neuen Puppenboom: die britischen Kult-Knetfiguren "Wallace und Gromit" starten zu neuen Abenteuern, die "Muppets" spielen die "Schatzinsel" nach, und "Alf" erlebt seine Kino-Premiere ebenso wie die "Augsburger Puppenkiste".
Die anderen Deutschen? Roland Emmerich läßt in seinem Fantasy-Spektakel "Independence Day" Außerirdische in Amerika landen, Volker Schlöndorff erzählt im "Unhold" von Görings Oberförster, derweil Kultkomödiant Detlev Buck den bewegten Til Schweiger in die "Männerpension" schickt. Auch Vilsmaier, für "Schlafes Bruder" zum Oscar vorgeschlagen, hat seinen nächsten Streich schon fertig: mit "Keiner weint mir nach" verfilmte er den Mietshaus-Roman von Siggi Sommer. Dieter Oßwald
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