ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Fonds: Die Tücke der Benchmark

VARIA: Schlusspunkt

Fonds: Die Tücke der Benchmark

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): [156]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Kaum einer blickt noch richtig durch. 5 000 verschiedene Investmentfonds sind mittlerweile in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Und jede Gesellschaft verheißt bei der Neuauflage eines Produktes den ultimativen Kick, sei es, weil der Fonds eine tolle Anlagepolitik offeriert, sei es, weil irgendwelche Sicherungsgarantien dem Sparer suggerieren, er habe es mit einer renditestarken Anlage zu tun, die gleichwohl aber so sicher ist wie Abrahams Schoß.
Die Worte hör ich wohl, allein die Fakten sprechen nicht immer diese Sprache. Wer sich jetzt seine diversen Fonds im Depot hernimmt, wird feststellen, dass viele im Jahresvergleich eine ziemlich schlechte Figur abgeben, manche davon müssen sogar Einbußen im zweistelligen Prozentbereich ausweisen.
Sparen Sie sich aber die Mühe, zu Ihrem Anlageberater zu laufen, um ihm die Löffel lang zu ziehen. Es wird kaum etwas nützen. Der Einwand, den Sie vor allem hören werden, ist, dass ein Fonds nicht besser und nicht schlechter ist als die so genannte vorgegebene Benchmark.
Ein Fonds also, der überwiegend in deutschen Standard-Aktien anlegt, wird daran gemessen, wie der dazugehörige Index abgeschnitten hat. Und wenn der DAX eben wie letztes Jahr eine zweistellige Minusrendite hingelegt hat, dann kann der Fonds nicht besser gewesen sein.
Warum aber ein Fonds daran gemessen wird, ob er den Index geschlagen hat oder nicht, ist ein Scheinargument. Vor allen Dingen dürfte sich ein Fondsmanager dahinter nicht verstecken dürfen. Kaum jemand käme auf die Idee, bei einem 5 000-Meter-Lauf und 100 Teilnehmern dem 50sten zuzujubeln, weil dieser genau den dazu passenden Index der Laufzeiten abbildet. Nein, man jubelt natürlich den ersten dreien zu und hat bestenfalls Mitleid mit den Zurückbleibenden. Warum gibt es diesen Effekt bei Fonds nicht? Ich gebe ja auch gerne zu, dass diese Argumentation etlichen Fondsmanagern nicht gefällt, habe in der Richtung auch schon einige Streitgespräche geführt.
Wenn die Vorstellung richtig ist, dass sich die Güte eines Fonds daran orientiert, wie er im Vergleich zu einer Messlatte (z. B. DAX, DowJones) abgeschlossen hat, dann muss es folglich unter den vergleichbaren Fonds einer Gattung welche geben, die den Index deutlich nicht schlagen und welche, die klar darüber liegen.
Genau hier ist aber die Sollbruchstelle. Wie viele Untersuchungen ergeben, schlagen die meisten Fonds eben ihren repräsentativen Index gerade nicht! Wie das kommt? Ganz einfach. Die Kosten, die ein Investmentfonds verursacht, führen regelmäßig dazu, dass er gar nicht in der Lage ist, den Index zu schlagen. So beißt sich die Katze in den Schwanz, und der Anleger blickt verwirrt auf die böse Benchmark, die wirklich nichts dafür kann.
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