ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2002Unfälle auf dem Arbeitsweg: Unterbrechung gefährdet den Schutz

Versicherungen

Unfälle auf dem Arbeitsweg: Unterbrechung gefährdet den Schutz

Dtsch Arztebl 2002; 99(3): [154]

Combach, Rolf

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LNSLNS Der Sozialstaat muss sparen. Einer von vielen Vorschlägen betrifft den Unfallschutz auf den Wegen von und zur Arbeit. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände meint, das Risiko der Wegeunfälle gehöre entweder in die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung oder in private Versicherungshände.
Doch wann handelt es sich um einen Wegeunfall? Einfache Definition: Wenn eine versicherte Person auf einem versicherten Weg einen Unfall erleidet. Unter „Weg“ ist nicht nur die Strecke von der Außentür des Gebäudes, in dem die versicherte Person wohnt, bis zum Betreten des Betriebsgeländes anzusehen. Auch Umwege sind in bestimmten Fällen versicherungsgeschützt, nämlich dann, wenn diese beruflich veranlasst waren. Genau dieser nicht eindeutig definierte Bereich beschäftigt regelmäßig die Gerichte.
Auf keinen Fall in den Versicherungsschutz einbezogen sind Um- und Abwege, bei denen der ursächliche Zusammenhang zwischen Arbeitsweg und Tätigkeit im Betrieb verloren geht – und sei es nur vorübergehend. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Weg vom Büro nach Hause ein Geschäft aufsucht, um dort einzukaufen, oder ein Gasthaus, um dort zu essen. Selbst das Essen während der Mittagspause ist nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts in Kassel Privatsache und steht deshalb nicht unter Unfall-Versicherungsschutz. Wer sein Essen während der Mittagspause in einem Café einnimmt, das sich im ersten Obergeschoss eines Kaufhauses befindet, und beim Betreten des Kaufhauses über ein Salatblatt ausrutscht und sich eine Verletzung des Kniegelenks zuzieht, hat keinen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz (Az.: 2 RU 34/95).
Lediglich bei geringfügigen Unterbrechungen des Arbeitsweges bleibt der Versicherungsschutz auch während der Unterbrechung bestehen, etwa wenn einem Kind über die Straße geholfen wird. Ansonsten, so meint die Hamburg-Mannheimer Versicherung, lebt der durch private Betätigung unterbrochene Unfallversicherungsschutz mit dem Fortsetzen des Arbeitsweges wieder auf.
Allerdings: Beträgt die Unterbrechung mehr als zwei Stunden, wie zum Beispiel bei einem ausgedehnten Einkauf, so ist eine „ Lösung von der versicherten Tätigkeit“ eingetreten. Das hat zur Folge, dass der restliche Weg nicht mehr unter Versicherungsschutz steht.
Auch Fahrgemeinschaften, die immer beliebter werden, stehen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies gilt auch beim Abweichen vom normalen Arbeitsweg, wenn dabei ein Kollege abgeholt beziehungsweise wieder zurückgebracht wird. Unerheblich ist auch, ob die Fahrgemeinschaft regelmäßig besteht oder nur gelegentlich gebildet wird. Oh-ne Belang ist zudem, ob die Mitglieder einer Fahrgemein-schaft in bestimmten Zeitabständen den Wagen wechseln oder ob der Ausgleich der Benzin- und Betriebskosten auf andere Weise vorgenommen wird.
Es versteht sich auch, dass Unfälle auf Familienheimfahrten von der Berufsgenossenschaft zu entschädigen sind. Bedingung: Der Arbeitnehmer hat am Ort seiner Tätigkeit nur eine Unterkunft, der „Mittelpunkt des Lebensinteresses“ muss also weiterhin in der Familienwohnung liegen.
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