ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Fortbildung: Weiter in der Diskussion

POLITIK

Fortbildung: Weiter in der Diskussion

Dtsch Arztebl 2002; 99(4): A-163 / B-136 / C-132

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Für eine Überprüfung des jeweiligen Standpunkts
können Erfahrungen in anderen Ländern hilfreich sein.


Für Prof. Peter Scriba, Mitglied im Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, ist der Fall klar: Entweder gelingt es der Selbstverwaltung, geeignete Strukturen zur Überprüfung der ärztlichen Fortbildung zu schaffen, oder die Politik – veranlasst durch die Beitragszahler und die Krankenkassen – wird ein entsprechendes Verfahren zwingend vorschreiben. Bei einer vom Bundesministerium für Forschung und Technik geförderten Tagung in Bonn zu Fragen der Fort- und Weiterbildung in der Medizin äußerte er sich skeptisch, was die Umsetzung der durch die Berufsordnung vorgegebenen Verpflichtung der Ärzte zur kontinuierlichen Fortbildung anbelangt. Die bestehenden Fortbildungsangebote für Ärzte seien sowohl quantitativ als auch qualitativ verbesserungsbedürftig. In vielen Bereichen der medizinischen Versorgung sei „die Performance der Ärzte“ nicht ausreichend.
Dagegen verwies der Leiter der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung, Prof. Reinhard Griebenow, auf das in Deutschland bereits bestehende flächendeckende Fortbildungsangebot, das von den Ärzten auch wahrgenommen werde. Hier müsse allerdings in Zukunft verstärkt auf die Anbieter eingewirkt werden, maßgerechte Fortbildungen zu präsentieren. Eine Rezertifizierung der Ärzte in Form einer Prüfung lehnt Griebenow ab.
Erfahrungen im Ausland
Für die Diskussion hierzulande über Art und Weise einer Überprüfung des ärztlichen Wissensstands können Erfahrungen hilfreich sein, die im Ausland gesammelt wurden. In Kanada hat man vor einigen Jahren ein System zur kontinuierlichen Überprüfung der ärztlichen Berufsausübung installiert (Monitoring and Enhancement of Physician Performance = MEPP). In diesem gemeinsam mit den ärztlichen Berufsverbänden entwickelten Verfahren erfolgt im Abstand von etwa fünf Jahren ein Screening eines jeden Arztes. In einem ersten Schritt werden dabei die verfügbaren Daten der Krankenkassen sowie Fragebögen an Kollegen, Patienten, Mitarbeiter und den jeweiligen Arzt ausgewertet. Aufgrund des erhobenen Befunds kommen rund zehn Prozent aller Ärzte in ein Peer- Assessment-Verfahren, bei dem sich erfahrene Ärzte eingehender mit der Berufsausübung der betroffenen Kollegen auseinander setzen. Wird hier Handlungsbedarf gesehen, stehen für eine intensive individuelle Fortbildung landesweit fünf Schulungszentren zur Verfügung. Ziel sei es, die betroffenen Ärzte für eine weitere Berufsausübung fit zu machen, betonte Dr. Gary G. Johnson, Direktor der Federation of Medical Licensing Authorities of Canada. Für dieses Verfahren, das „privilege of self-regulation“, zahlt jeder kanadische Arzt jährlich 800 Dollar.
In Belgien hat man einen anderen Weg gewählt, die niedergelassenen Ärzte zur kontinuierlichen Fortbildung zu motivieren. Entschieden hatten die belgischen Ärzte Pläne der Regierung, Zwangsfortbildung und eine Rezertifizierung im Abstand von fünf Jahren einzuführen, abgelehnt. Stattdessen setzte man auf finanzielle Anreize für diejenigen Kassenärzte, die regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen und sich einem Peer-Review-Verfahren, so etwa der Überprüfung der eigenen Verschreibungspraxis durch Kollegen, unterziehen.
Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema